München/Wien - Deutschen Wissenschaftern ist vielleicht ein Durchbruch für die künftige Behandlung des Rinderwahnsinns BSE gelungen.

Ausgangspunkt sind Prion-Proteine: Sie helfen blutbildenden adulten Stammzellen, in Stresssituationen zu überleben. Diese Funktion der PrP genannten Eiweiße entdeckten US-Forscher erst Anfang des Jahres. PrP kommen in verschiedenen Geweben des gesunden Organismus vor.

Berühmt geworden ist PrP aber nicht in dieser seiner normalen Gestalt, sondern in einer falsch gefalteten Variante: Nur in dieser so genannten infektiösen Form ist es in der Lage, anderen PrP-Molekülen seine eigene, ungewöhnliche Struktur aufzuzwingen und damit Erkrankungen wie die Traberkrankheit Scrapie bei Schafen, BSE bei Rindern oder Creutzfeldt-Jakob bei Menschen auszulösen. Dabei wird das Hirngewebe zerstört. Nach geistigem und schließlich körperlichem Verfall endet die Krankheit tödlich.

Gemeinsam mit Forschern der Universität Bonn und des Max-Planck-Instituts sei es den Münchnern nun gelungen, den Krankheitsverlauf bei Mäusen deutlich zu verlangsamen: Sie drosselten die Produktion von Eiweißmolekülen im Gehirn von mit Scrapie infizierten Mäusen. Nachdem die Wissenschafter festgestellt hatten, dass die Mäuse auch ohne die gesunden Moleküle gut leben können, nutzten sie eine Methode, für die die US-Forscher Craig Mello und Andrew Fire den diesjährigen Medizin-Nobelpreis erhalten haben: Sie brachten das dafür verantwortliche Gen zum Schweigen - es kann nicht mehr abgelesen werden, sodass die Information für die Herstellung von PrP nicht mehr verfügbar ist.

Die Forscher arbeiteten zunächst mit Zellkulturen: Mithilfe kleiner Erbgutschnipsel (siRNA) konnten sie die PrP-Produktion um 97 Prozent drosseln. Für die Tests an lebenden Mäusen musste das für die Produktion von siRNA verantwortliche Gen in die Tiere eingeschmuggelt werden. Alle Mäusezellen konnten so zwar nicht erreicht werden, doch das Verfahren reichte immerhin schon aus, um die Lebenserwartung der Tiere von durchschnittlich 165 auf 230 Tage zu steigern.

Bis die Methode jedoch beim Menschen angewendet werden könne, würden sicher noch Jahre vergehen, teilten die Forscher mit. Vorstellbar sei jedoch auch, Vieh zu züchten, das keine PrP produzieren kann und daher immun gegen BSE wäre. (AP, fei/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5. 12. 2006)