Der neue ORF-Informationsdirektor Elmar Oberhauser ist keine glatte Figur. Und allein deshalb für Überraschungen gut. Zum Beispiel für die erwartbare, in einem profil-Interview "die Susanne" (Passer) dafür gelobt zu haben, "in der Politik einen guten Job gemacht" zu haben. Eine "tolle Frau" sei sie noch dazu. Sicherlich ist sie nicht langweilig, aber als Politikerin mitverantwortlich für einen schweren Schlag gegen den Medienpluralismus knapp nach der Wende. Sie verhinderte damals zusammen mit dem von ihr zu Hilfe gerufenen Jörg Haider die Beeinspruchung der Magazinfusion (News, tv-media, profil etc.) durch Justizminister Dieter Böhmdorfer. Was stand für sie auf dem Spiel? Die öffentliche Darstellung der FPÖ und ihrer selbst durch die Fellner-Magazine. Susanne Riess-Passer wählte den persönlichen politischen Vorteil und nicht das demokratische Prinzip.

"Wir müssen anecken (...), politischer Journalismus (...) kann in der Sache nicht kritisch genug sein," sagt Oberhauser im zitierten Interview. Wird man unter seiner Leitung diese unerquickliche Printmedien-Geschichte aufrollen? Wird man - endlich - den unter Lindner und Mück versenkten Dichand-Film zeigen? Aus hygienischen Gründen. Denn bekannt ist er schon.

Oberhauser greift mit seinen Aussagen jene Kritik von Armin Wolf auf, die unter anderem zum Sturz seines Vorgängers geführt hat. Wolf ist ja nicht der einzige Journalist, der kritisch fragen kann. Ingrid Thurnher verfügt über diese (immer weniger gezeigte) Fähigkeit ebenfalls, Claudia Reiterer hat Politiker so lange genervt, bis die junge Mutter von den Handlangern der Familienpartei vorübergehend entfernt wurde. Robert Wiesner steht für eine Reihe weiterer ORF-Kaliber.

Die Frage ist: Wird es reichen, ehemals erfolgreiche Sendungen wie die "Stadtgespräche" oder den "Club 2" wieder zu beleben? Nein.

Neue Zeiten benötigen neue Formate. Wie zum Beispiel ein Sportmagazin, das die wirtschaftlichen und politischen Aspekte untersucht. Die sich abzeichnende Pleite von Sturm Graz wurde seit Monaten im Standard analysiert, später auch in der "Kleinen Zeitung". Im ORF-Sport blieben die Luken dicht. Eine ausführliche Darstellung der geschäftlichen Verfilzungen des Skiverbands fehlt ebenso.

Es mag schon sein, dass die ZiB 2 "magaziniger" werden müsste. Da sollte ein Printjournalist keine Lehren erteilen. Aber dass die Korrespondenten bloß wiederholen, was die Moderatoren schon gesagt haben, ist ebenso ein handwerklicher Fehler wie die Perpetuierung von Gruftstimmen aus der Tiefe des Balkans.

Seltsamerweise ist Elmar Oberhauser von profil nicht zur Rolle der Frauen im Info-Karussell des ORF gefragt worden. Brigitte Handlos vom "Frauennetzwerk Medien" hat darauf am Freitag aufmerksam gemacht und damit auf einen schlammigen Punkt gezeigt, der sowohl dem linken wie dem rechten Biotop gemeinsam ist. Frauen gelten nur dann wirklich was, wenn sie zum Tross gehören.

Angesichts des Aufgabenbergs, den Santa Claus seinem Bruder im Barte überbringt, ist der neue Info-Boss nur zu verstehen, erst in drei Jahren (also zeitgerecht vor den nächsten Nationalratswahlen) wieder in den Moderatorenring steigen zu wollen. Ihn juckt dann sicher die Politik mehr als eine allfällige Wiederbestellung.

Im Grunde sollte jeder in der Funktion Oberhausers die eigene Wiederbestellung bekämpfen. Denn nur der unentwegte Kampf gegen Parteiinteressen ist in Wirklichkeit die einzig richtige Offensiv-Verteidigung der Unabhängigkeit des ORF. Niemand aus der ORF-Spitze muss schließlich von der ASVG-Pension leben.

Der ORF hat eine mitteleuropäische Pilotfunktion. Weshalb seine aktuellen Sendungen und seine Magazine auch für die Nachbarn Vorbildwirkung haben sollten. Unter Gerd Bacher hatten sie das.

Heutzutage fehlt die Motivation, durch starke Info-Sendungen auch dem Widerstand gegen KP-Regime zu helfen. Es geht schlicht um international herzeigbare Qualität. Die hat der ORF nur partiell. (DER STANDARD, Printausgabe, 5.12.2006)