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Foto: AP/Frank Augstein
Hildesheim - Im Heros-Prozess um den spektakulären Zusammenbruch von Deutschlands größtem Geldtransportunternehmen hat der zweite von vier Angeklagten ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 57-jährige Prokurist der Viersener Niederlassung räumte vor dem Landgericht Hildesheim am Dienstag nicht nur Untreue zu Lasten der Auftraggeber des Unternehmens ein. Er gestand auch, dass er insgesamt rund zehn Mio. Euro für sich selbst abgezweigt hat bei den Manipulationen. Der Mann, der wie Firmengründer Karl-Heinz Weis und ein weiterer der vier Angeklagten in Untersuchungshaft sitzt, entschuldigte sich bei den von ihm Geschädigten.

"Schneeballsystem"

Der Mann war nach eigenen Angaben ab 1994 in der Viersener Filiale beschäftigt und dort an eben jenem Schneeballsystem beteiligt, mit dem die Herosgruppe ihren Aufstieg zum Branchenprimus in Deutschland finanzierte. Auf Anweisung der Firmenzentrale wurden Gelder nicht direkt an die Kunden überwiesen, sondern auf Heroskonten. Für verspätete Zahlungen wurden dann regelmäßig Ausreden benutzt wie Fehler in der EDV, für die der Prokurist verantwortlich war.

Außerdem entnahm er immer wieder hohe Bargeldbeträge bis in Millionenhöhe aus der Viersener Filiale, behielt einen Teil des Geldes, gab noch mehr Geld an einen Mitangeklagten weiter oder an die Firmenzentrale in Hannover. Der Angeklagte berichtete auch über Zahlungen an mindestens zwei Mitarbeiter von großen Einzelhandelsketten sowie mindestens drei Fälle von Erpressung durch Mitwisser in der Firma. Der Prokurist belastete neben dem geständigen Firmengründer Weis auch einen weiteren Angeklagten schwer. Von dem sei Mitte der 90er Jahre die "wahnwitzige Idee" gekommen, im Spielcasino Aachen mit Systemspiel Geld zu gewinnen, um damit Löcher in der Firma zu stopfen. Auch dafür habe er Geld aus der Viersener Filiale entwendet.

Bau eines Hotels

Etwa die Hälfte des Geldes, das er für sich unterschlug, will der Mann "verspielt, verschenkt oder gespendet" haben. Die andere Hälfte investierte er in den Bau eines Hotels in Bulgarien. Er sicherte in seinem Geständnis zu, er wolle vollständig zusammenarbeiten beim Versuch der Justiz, möglichst alle ausländischen Vermögenswerte für die Minderung des Schadens zu sichern. Beim Konkurs der Herosgruppe ist ein Schaden von rund 400 Mio. Euro entstanden, angeklagt sind im Prozess rund 280 Einzelfälle mit einem Gesamtvolumen von 250 Mio. Euro. (APA/AFP)