Felix Salten

Foto: Jüdisches Museum Wien
Wien - Irgendwo zwischen "Bambi" und "Josefine Mutzenbacher" ist das Leben und Werk von Felix Salten zu verorten - und diese Lücke ist gar nicht so klein. Das Jüdische Museum in Wien versucht mit der letzten Ausstellung dieses Jahres einen Mann vor dem Vergessen zu retten, dessen Figuren stets größer waren als er selbst und dessen Vermächtnis sich heute vor allem in der Popularkultur findet. Die Literatur-Personale "Felix Salten. Schriftsteller - Journalist - Exilant" dokumentiert umfassend und multimedial sehr schön aufgefächert ab heute, Dienstag, das Leben des jüdischen Vielschreibers.

Salten, 1869 unter dem Namen Siegmund Salzmann in Budapest geboren, begann seine Karriere als Journalist und Schriftsteller, arbeitete als Theater- und Filmkritiker der "Neuen Freien Presse", schrieb Operettenlibretti, Theaterstücke und Film-Drehbücher und folgte 1925 seinem Freund Arthur Schnitzler als Präsident des österreichischen PEN-Clubs nach. Im Streit mit deutschnationalen Schriftstellern legte er 1933 diese Funktion zurück und emigrierte schließlich 1939 in die Schweiz, wo er 1945 in Zürich starb.

Mutzenbacher und Bambi

Mit Schnitzler, dem derzeit im Österreichischen Theatermuseum die Ausstellung "Affairen und Affekte" gewidmet ist, teilte sich Salten einige Zeit den Verdacht, anonymer Autor des pornografischen Romans "Josefine Mutzenbacher" zu sein, bis ihm schließlich die Urheberschaft alleine zugeschrieben wurde. "Das einzige Buch, zu dem er sich nicht bekannte, blieb ewig an ihm hängen", erzählte die Enkelin Saltens, Lea Wyler, im Rahmen der Pressekonferenz.

Heute hätte Salten damit viel Geld machen können, ebenso wie mit "Bambi". Dessen Rechte verkaufte er jedoch um nur 1.000 Dollar, während Walt Disney mit der Verfilmung seinen Weltruhm begründete. "Mein Großvater war immer bettelarm", sagte Wyler, "alles Geld, das er hatte, gab er für Schmuck für seine Frau aus." Dass der vielseitige Autor, der zeitweise unter sechs bis sieben Pseudonymen schrieb, nicht gänzlich in Vergessenheit gerät, dafür soll nun die Schau im Jüdischen Museum sorgen.

"Unglaubliches Gespür für Personen und Themen"

"Salten hatte ein unglaubliches Gespür für Personen und Themen", sagte Werner Michael Schwarz, der gemeinsam mit Siegfried Mattl die Ausstellung kuratierte. Neben Briefen, Fotos und Audio-Elementen stechen im zweiten Stock des Museums vor allem die zahlreichen Filmdokumente hervor - nicht zuletzt ein Tribut an die große Leidenschaft Saltens für das damals junge Medium. Neben "Bambi" zeichnet Salten etwa auch für die Vorlage von "The Shaggy Dog" (1959 und Remake 2006 mit Tim Allen) verantwortlich.

Das Filmarchiv widmet sich parallel zur Ausstellung von 12. bis 16. Dezember in einer kleinen Hommage dem Verfechter des Kinos. Salten schrieb nicht nur Drehbücher, sondern lieferte auch Ideen und Exposes, arbeitete mit Walter Reisch und Billy Wilder zusammen und führte zumindest einmal auch Regie. Der Bogen der Filmarchiv-Reihe spannt sich demgemäß von Saltens frühester erhaltener Kino-Arbeit "Der Glücksschneider" (1916) in der Regie von Hans Otto Löwenstein bis zu Brian Robbins "The Shaggy Dog" (2006) nach seiner Erzählung "Der Hund von Florenz". (APA)