Vorstand Alfred Zimmermann ist sich keiner Schuld bewusst,...

Fotos: Standard/Urban, Fischer; Montage: Pass

...wurde aber von ÖBB-Chef Martin Huber aus dem Unternehmen entfernt.

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Die Turbulenzen um die in Iran-Geschäfte verwickelte Bundesbahn ÖBB hat nun erste Konsequenzen in der Führungsetage. Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat der ÖBB-Infrastruktur-Bau AG in einer knapp vierstündigen Sitzung dem Vorstand der ÖBB-Teilgesellschaft Alfred Zimmermann das Misstrauen ausgesprochen. Er wurde mit sofortiger Wirkung von seiner Funktion abberufen.

Als Gründe für diesen drastischen Schritt nannte ÖBB-Chef Martin Huber "grobe Pflichtverletzungen", die passiert seien. Zum einen gehe es um die Bestellung eines Scanners zum Röntgen von Waggons im Anschaffungswert von 3,5 Mio. Euro. Inklusive notwendiger Einhausung hätte der mehr als fünf Millionen Euro gekostet und "wäre somit aufsichtsratspflichtig" gewesen. Zimmermann, in dessen Verantwortungsbereich die Anschaffung dieses Scanners aus China gelegen sei, habe das Geschäft aber am Aufsichtsrat vorbei durchgezogen.

Als zweiten Grund für die Abberufung von Zimmermann nannte der ÖBB-Chef Aufträge an das Unternehmen Sanconsult. Acht Personen dieses Beratungsunternehmens seien bei der ÖBB-Tochter ARCC zu "betriebswirtschaftlich nicht nachvollziehbaren Bedingungen" angestellt worden. Einer dieser Mitarbeiter habe zunächst für sechs Monate 137.000 Euro kassiert, bezahlt von der Betriebs AG. Dann hätte er in ein fixes Angestelltenverhältnis in eben diesem Teilkonzern der ÖBB wechseln sollen - zu einem Jahresgehalt von 80.000 Euro.

Dritter Grund für die Abmontage seien die (vom STANDARD aufgedeckten; Anm.) Iran-Geschäfte gewesen, für die laut Huber letztendlich auch Vorstand Zimmermann verantwortlich gewesen sei.

Der ÖBB-Chef selbst will von Konsequenzen für sich selbst nichts wissen. Rücktrittsaufforderungen, die es vor allem von Seiten der SPÖ gehagelt hat, kämen aus "der Welt der Politik", sagte Huber. Er aber gehöre "der Welt des Unternehmens an" und gebe sein Bestes zur Weiterentwicklung der ÖBB.

Entwickelbar wären aber offenbar auch die Umgangsformen im Staatsunternehmen ÖBB. Während der Aufsichtsrat tagte, musste Zimmermann drei Stunden lang vor verschlossenen Türen ausharren, wurde für fünf Minuten in den Raum gebeten, um seinen Rauswurf in schriftlicher Form entgegen zu nehmen, wurde dem STANDARD berichtet. Zimmermann selbst wurde zu absolutem Stillschweigen vergattert.

Als nächstes soll nun eine Disziplinarkommission eingesetzt werden: Sie wird sich mit den an Zimmermann gerichteten Vorwürfen im Detail auseinandersetzen.

Auf dem anderen Schauplatz, in Teheran, vermutet man hinter den aufgedeckten Irangeschäften politische Machtspiele. Der geplante Bau der Schnellbahnverbindung von Teheran in die Schlafstadt Karadj wird insbesondere von der für den Teheraner Stadtverkehr zuständigen Behörde forciert, während Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad dem Projekt skeptisch gegenübersteht und eine Monorail-Verbindung statt der Schnellzugvariante favorisiert. Verantwortlicher für den Stadtverkehr ist der Sohn von Ex-Präsident Rafsanjani, ein Reformer. Sollten die Reformkräfte bei der Bürgermeisterwahl in zwei Wochen die Oberhand behalten, dürfte am Bau von Karadj II festgehalten werden, wofür sich jetzt nach dem Rückzug Österreichs verschiedene internationale Unternehmen bemühen. Sollte die Partei von Ahmadi-Nejad als Sieger hervorgehen, dürfte das Projekt begraben werden. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.12.2006)