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Der Walhai, der größte Fisch der Welt, ernährt sich von Plankton. - Nur selten aber ist die Nahrungskette im Meer so kurz: Meistens liegen deutlich mehr Glieder zwischen ihren Enden, und alle sind sie von erwärmungsbedingten Veränderungen betroffen.

Foto: REUTERS/Handout/File
London - Der Klimawandel könnte einer Studie zufolge die Nahrungskette in den Meeren aus dem Gleichgewicht bringen und sie drastisch verändern. Wie US-Forscher in der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" berichten, könnte davon die Fischerei in den Tropen und in mittleren Breitengraden schwer getroffen werden.

Die Erwärmung der Ozeane verändert den Botanikern zufolge den Austausch von Nährstoffen zwischen den Wasserschichten. Mittelfristig dürfte es dadurch weniger Phytoplankton, also pflanzliches Plankton, geben. Dieses Phytoplankton steht am Anfang der Nahrungskette; fehlt es, nehmen die Bestände an Seefischen und Schalentieren weiter ab.

Licht von oben, Nährstoffe von unten

Phytoplankton bildet sich in den oberen Schichten der Ozeane. Es braucht Sonnenlicht sowie Stickstoff, Phosphat und Eisen. Diese Nährstoffe stammen wiederum aus der Meerestiefe und werden durch Strömungen nach oben getragen. Für die Studie untersuchten Botaniker um Michael Behrenfeld von der Universität des US-Bundesstaates Oregon die Verbreitung von Phytoplankton seit 1997 mit Hilfe von Satellitenbildern. Sie zeigten einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Temperatur an der Wasseroberfläche und der Masse an pflanzlichem Plankton auf. Dabei belegten sie auch eine Verbindung mit dem Wetter-Phänomen El Nino, das warme Meeresströmungen mit sich bringt.

Dem Bericht zufolge wurde 1997 und 1998 mehr Phytoplankton gemessen als üblich. Zu dieser Zeit waren die Ozeane relativ kühl. Zwischen 1999 und 2004 war El Niño dagegen am Werk und brachte einen längeren Wärmezyklus mit weniger Plankton. 2005 und 2006 gab es dann wiederum mehr davon. Die Erderwärmung dürfte anderen Studien zufolge häufigere oder gar dauerhafte El Ninos mit sich bringen.

Andere Regionen profitieren

Nach Ansicht Behrenfelds könnte die Verteilung der Biomasse in den Ozeanen in der Folge drastisch verändert werden: In tropischen Meeren und gemäßigten Breitengraden stülpt sich wärmeres Oberflächenwasser förmlich über das kalte Tiefenwasser, blockiert den Zustrom von Nährstoffen und bremst die Produktion von Plankton. In kälteren Gefilden dürfte die Erwärmung dagegen die bislang teils zu heftigen, strudelartigen Strömungen bremsen und damit die Nährstoffzufuhr verbessern. Dort müsste es demnach mehr Phytoplankton geben.

Vom Phytoplankton ernähren sich winzige Tiere, das so genannte Zooplankton; dieses wird dann in der Nahrungspyramide etwa von kleineren Fischen und Schalentieren gefressen und diese wiederum von größeren Fischen sowie Meeressäugern. (APA/red)