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Alfred Eder schaut finster drein, wenn er über die Olympischen Spiele reden soll. "Das geht mich nichts an."

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Hochfilzen/Wien - Es gibt Themen, da wird Alfred Eder (53), der Cheftrainer der österreichi-schen Biathleten, unwirsch. Da zieht er ein Schnoferl, schmeißt den "Nicht-schon-wieder-Blick" in sein Gesicht und grantelt müde drauflos. "Es gab keinen Dopingfall in Turin, das war eine von den Medien aufgebauschte Geschichte. Ich bin dazu gekommen wie die Jungfrau zum Kind. Das geht mich nichts an, das ist aus und vorbei, da gibt es nichts aufzuarbeiten."

Damals im Februar 2006, unmittelbar nach den Razzien in den olympischen Quartieren und der Flucht der Athleten Wolfgang Rottmann und Wolfgang Perner (beide sind zurückgetreten) war Eder angeschlagen. "Wir beginnen bei null oder bei noch weniger", sagte er in Turin. Zehn Monate später und unmittelbar vor dem Weltcup in Hochfilzen korrigierte er sich: "Das war ein Irrtum. Wir haben uns genauso professionell vorbereiten können wie die Jahre davor. Der ÖSV hat uns nicht fallen gelassen. Danke. Der Stamm ist geblieben. Sportler beenden eben Karrieren, das ist der Lauf der Zeit. Alte gehen, Junge kommen."

Auf der Wiese

Reden wir lieber über den Schnee. An dem mangelt es bekanntlich, die Biathleten haben sich deshalb im tirolerischen Hochfilzen eingenistet. Von Freitag bis Sonntag werden sechs Bewerbe abgewickelt (drei Damen, drei Herren) am darauf folgenden Wochenende gibt es eine Wiederholung. Dem Großglockner wurden 12.000 Kubikmeter Schnee gestibitzt, das genügte, um die Loipen anzulegen. Eder glaubt nicht unbedingt an den globalen Klimawandel, wobei er ihn natürlich nicht völlig ausschließt. "Vor 25 Jahren sind wir im Dezember auch schon auf der Wiese gestanden. Aber es stimmt, dass sich der Wintersport künftig in höheren Gegenden wird ansiedeln müssen." Ums Biathlon mache er sich aber keine Sorgen. "Die Deutschen sind stark, der Markt ist groß, es ist der ideale Fernsehsport und die spannendste Sparte im Winter. Das sage ich nicht nur deshalb, weil ich davon lebe."

Es soll so sein wie vor Turin. Die Schussleistungen im ÖSV-Team sind traditionell mäßig - wobei Fritz Pinter zum Auftakt in Östersund ordentlich gezielt hat. "Er müsste schneller laufen. Das kommt noch." Eder erwartet zudem von Christoph Sumann, Daniel Mesotitsch und Ludwig Gredler "Verbesserungen. Sie sollten von den Top Ten nicht weit weg sein. Glück braucht man." Der 21-jährige Julian Eberhard gilt als Talent. "Mit 25 weiß man dann, ob einer ein Großer werden kann."

Der Allergrößte ist der Norweger Ole Einar Björndalen, er gewann die ersten drei Bewerbe. "Eine Ausnahmeerscheinung. Er hat, was andere nicht haben, er investiert alles in den Sport." Hochfilzen, sagt Eder, sei kein Neubeginn fürs österreichische Biathlon. "Weil es ja kein Ende gegeben hat. Es ist nur eine Bühne, die wir nützen sollten." Von Turin habe er, Eder, die Nase voll. "Gestrichen." (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 7.12. 2006)