Reisen ins Ausland haben SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer noch nie gut getan, dafür sorgte immer schon die ÖVP. Wann immer der oberste Rote seine Heimat verließ, musste er mit harten Attacken des schwarzen Generalsekretariats rechnen.

Das war während der Sanktionen so, als die ÖVP ihm vorwarf, in Paris mit den Urhebern des Banns der damaligen EU-14 zu "champagnisieren". Das war im Hochwasserjahr 2002 so, als die ÖVP sich darüber alterierte, dass Gusenbauer auf Korsika urlaubte, während Niederösterreich versank. Im Wahlkampfjahr 2006 musste er sich sagen lassen, dass es sich für einen Arbeiterführer nicht gehöre, im vermeintlichen spanischen Nobelurlaubsort Marbella bei einer befreundeten Familie einige Tage auszuspannen.

Nun schlug die schwarze Auslandsaufenthalts-Moralkeule während der Koalitionsverhandlungen zu: Wenn sich Gusenbauer nicht auf dem Kongress der Europäischen Sozialdemokraten in Porto hätte feiern lassen, hätte man noch zwei Tage weiterverhandeln können, ärgerte sich Andreas Khol. Jener "Mein Amt ist weg"-Khol übrigens, der vor Kurzem gesagt habe, er werde sich aus der aktuellen Politik heraushalten. Immerhin: Gusenbauer schaffte es auf ein gemeinsames Bild mit der linken französischen Zukunfthoffnung Ségolène Royal - und damit in die Krone. (tó, DER STANDARD, Printausgabe 11.12.2006)