Sarajevo/Belgrad - In Sarajevo findet am heutigen Donnerstag die abschließende Runde der technischen Gespräche mit der Europäischen Union über ein Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen (SAA) statt. Der Abschluss des Abkommens soll allerdings erst nach der Erfüllung von vier Bedingungen, die Bosnien-Herzegowina zu erfüllen hat, erfolgen. Er sei optimistisch und erwarte, dass dies nicht so lange nach der Bildung neuer bosnischer Institutionen (nach den allgemeinen Wahlen vom 1. Oktober, Anm.) erfolgen werde, versicherte der bosnische Chefverhandler Igor Davidovic gegenüber der Tageszeitung "Dnevni avaz" (Donnerstag-Ausgabe).

Aufgenommen vor einem Jahr

Die SAA-Gespräche Bosniens mit der Europäischen Union wurden vor genau einem Jahr aufgenommen. Bei den vier Bedingungen für die Unterzeichnung des SAA-Abkommens geht es um die längst fällige Polizeireform, ferner die Reform der öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und TV-Anstalt sowie des Verwaltungsapparates und um die Errichtung eines einheitlichen bosnischen Wirtschaftsraums. Davidovic erwartet, dass die Frage der wichtigsten SAA-Voraussetzung, der Polizeireform, bis März vom Tisch sein dürfte.

Künftige Polizeistruktur

Der Verwaltungsausschuss der bosnischen Direktion für Polizeireform hatte sich am Mittwochabend laut einzelnen Medienberichten nach dreitägiger Tagung über das Modell der künftigen Polizeistruktur geeinigt. Die wichtigsten Streitfragen betrafen die geplante Errichtung von Polizeibezirken. Die Behörden der bosnisch-serbischen Entität, der Republika Srpska, widersetzen sich nämlich den Polizeibezirken, die über die Entitätsgrenzen reichen würden. Das endgültige Modell der Polizeistruktur soll nächste Woche publik werden.

Das vor gerade elf Jahren auf die Beine gestellte komplizierte bosnische Staatsgebilde besteht aus zwei Landesteilen, neben der Republika Srpska auch noch der bosniakisch-kroatischen Föderation, mit breiten Befugnissen. Die Polizeireform zielt darauf ab, einheitliche Polizeikräfte zu bilden. (APA)