Bei der Münchner TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 sollen nach den Plänen der neuen Eigentümer KKR und Permira keine Stellen gestrichen werden. "Es gibt absolut keine Pläne zum Arbeitsplatzabbau", sagte Permira-Manager Thomas Krenz am Freitag in einer Telefonkonferenz und entkräftet damit Befürchtungen der Gewerkschaften, der Eigentümerwechsel könne zu einem Stellenabbau führen. Verdi und der Deutsche Journalistenverband hatten die Finanzinvestoren zuvor aufgefordert, keine Arbeitsplätze für mögliche Renditeziele zu opfern.

Bei der geplanten Verschmelzung mit der europäischen Sendergruppe SBS werde es sicher Synergien geben, sagte Krenz. Diese seien aber eher im Programmbereich und im Einkauf zu sehen. "Es ist klar, dass es Synergien geben wird", sagte ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch, der seine Position nach dem Eigentümerwechsel behalten soll. "Es ist aber zu früh, um jetzt schon präzise Antworten zu geben." Das internationale Wachstum solle auch über Zukäufe erfolgen, kündigten die neuen Eigner an.

Zu RTL aufschließen

In der Nacht zum Freitag hatten KKR und Permira bestätigt, von der Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban deren Anteil von 50,5 Prozent an ProSiebenSat.1 zu übernehmen. Die neuen Eigentümer wollen das TV-Unternehmen mit ihrer europäischen Sendergruppe SBS zu einem Unternehmen mit Sitz in München zusammenführen. "Die neue Gruppe soll zumindest zu RTL aufschließen, wenn nicht sogar überholen", sagte Krenz.

KKR und Permira zahlen an die German Media Partners - darin sind die Anteile der Investorengruppe um Saban gebündelt - je Stammaktie der Sendergruppe 28,71 Euro und 22,40 Euro je Vorzugsaktie. Der Anteil von 50,5 Prozent macht 88 Prozent der Stammaktien und 13 Prozent der Vorzugsaktien aus. Den außenstehenden Aktionären solle je Vorzugsaktie 22,46 Euro geboten werden. Dazu zählt auch das Verlagshaus Axel Springer, das die restlichen zwölf Prozent an Stammaktien und zwölf Prozent der Vorzugaktien hält. Das Angebot liegt damit aber deutlich unter dem derzeitigen Aktienkurs von rund 23,40 Euro. Die Vorzugsaktien sollen weiterhin an der Börse notiert bleiben und auch die derzeitige Aktienstruktur von Stamm- und Vorzugsaktien solle beibehalten werden, sagte Permira-Manager Götz Mäuser.

Saban "ein bisschen melancholisch"

Insgesamt wird ProSiebenSat.1 bei dem Deal mit 5,7 Mrd. Euro bewertet, gut drei Mrd. Euro davon erhält die Gruppe um Saban. Mit dem Preis erzielen Saban und seine Partner mehr als das vierfache dessen, was sie 2003 für die Sendergruppe gezahlt haben. "Ich bin glücklich und stolz über unseren Erfolg in den vergangenen drei Jahren, aber auch ein bisschen melancholisch bei unserem Ausstieg", sagte Haim Saban am Freitag. Die Investorengruppe um Saban war nach der Pleite der Kirch-Gruppe 2003 bei ProSiebenSat.1 eingestiegen. Damals zahlten sie 7,50 Euro je Aktie. Die Pläne von Saban, ProSiebenSat.1 an die Verlagsgruppe Axel Springer zu verkaufen, scheiterten im Februar am Widerstand der Kartellbehörden. Bei diesem Verkauf hätte die Gruppe um Saban rund 2,5 Mrd. Euro erhalten.

Neben dem Konsortium aus KKR und Permira hatten sich auch ein Konsortium aus Apax und Goldman Sachs sowie die türkische Mediengruppe Dogan Yayin für die Münchner Sendergruppe interessiert. (APA/Reuters)