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ÖBB-Nahverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann will das notwendige Geld unter anderem durch mehr Fahrgäste verdienen.

Foto: APA/ÖBB
Wien - Die ÖBB erweitern ihr Zugerneuerungsprogamm. Zusätzlich zu den bereits geplanten Neuanschaffungen für in Summe 1,2 Mrd. Euro werden die Bundesbahnen jetzt auch neue Schnellbahngarnituren bestellen, kündigte ÖBB-Nahverkehrschefin Wilhelmine Goldmann am Freitag am Rande eines Pressegesprächs an. Wenn alles gut geht, soll die Ausschreibung schon im ersten Halbjahr nächsten Jahres hinausgehen. Dem Vernehmen nach geht es um rund hundert Züge, von denen ein Teil mehr als 200 Sitzplätze bzw. ein weiterer Teil rund 500 Sitzplätze haben soll.

Ob die Ausschreibung in Tranchen erfolgt oder auf einen Sitz, ist noch nicht entschieden. "Im Laufe der Zeit" sollen die blau-weißen Schnellbahnzüge aber komplett aus der Verkehr verschwinden, kündigte Goldmann an. ÖBB-intern geht man davon aus, dass die Auslieferung der neuen Schnellbahnen in den Jahren 2010 bis 2012 erfolgen wird, also rechtzeitig zur Fertigstellung des Hauptbahnhofs Wien und des neuen Lainzer Tunnels.

Alte Schnellbahnen werden "ausgemistet"

Die alten Schnellbahnen sind schon seit 1979 im Einsatz und verkehren seit einiger Zeit nur noch im Raum Wien und in der Ostregion. Vor allem im Süden Wiens gibt es immer wieder Klagen über überfüllte Züge. Mit der Neubestellung soll nun auch das Angebot ausgeweitet werden.

Ein kleiner Teil der alten Schnellbahnen wurde und wird schon jetzt durch neue Doppelstockwagons oder Regionalzüge vom Typ Talent ersetzt. Insgesamt haben die ÖBB 240 Doppelstockzüge und 171 Talent bestellt - Kostenpunkt 800 Mio. Euro. Heuer ist laut Goldmann schon jeder dritte Sitzplatz im Nahverkehr erneuert worden. Die Komplettauslieferung der schon bestellten Fahrzeuge erfolgt bis 2009. Die weiteren hundert Schnellbahnen danach sollen von einer neuen Fahrzeuggeneration stammen. Vor allem auf der Wiener Schnellbahnstammstrecke zwischen Floridsdorf und Meidling gebe es "andere Anforderungen" als im Regionalverkehr, betonte Goldmann.

Für den Fernverkehr haben die ÖBB heuer 23 neue Railjet-Züge bestellt und drei ICE aus Deutschland gekauft. Auch hier gibt es noch eine Option auf bis zu 40 weitere Railjet-Züge.

Die ÖBB holen damit auf, was in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig investiert wurde. Über 500 Waggons seien über 30 Jahre alt, schilderte Goldmann. Die Folge seien ein hoher Reparatur-Bedarf und lange Aufenthalte der Züge in den Werkstätten. Nicht zuletzt dadurch hätten die ÖBB derzeit viel zu wenig Wagenmaterial zur Verfügung. Die größte Knappheit herrsche im Fernverkehr. Wenn die ÖBB wie geplant weiter investierten, würden sie "in fünf bis sechs Jahren so weit sein, dass wir mit dem Fuhrpark auskommen", so Goldmann.

Mehr Fahrgäste

Das notwendige Geld für den Ankauf der neuen Züge will die ÖBB-Nahverkehrs-Chefin zum einen durch mehr Fahrgäste verdienen. Zum anderen müsse aber auch die öffentliche Hand ihre Fahrkartenstützungen an die tatsächlichen Kosten anpassen. "Die Besteller müssen in Zukunft einen Preis zahlen, der marktüblich ist", erklärte Goldmann. In den Verhandlungen mit den Bundesländern habe man - nicht zuletzt durch die Verbesserung des Angebots - erreicht, dass die Abgeltungen aus den so genannten Verkehrsdiensteverträgen heuer um 19 Prozent und im nächsten Jahr um 20 Prozent steigen.

Bei weitem noch nicht den tatsächlichen Kosten würden die Bundesabgeltungen für gemeinwirtschaftliche Leistungen wie Schülerfreifahrten, Pendlerstützungen für Wochen-, Monats- und Jahreskarten oder Senioren-Rabatte entsprechen. Der Personenverkehr erhält dafür im Jahr derzeit rund 500 Mio. Euro. Im bisherigen Budgetentwurf sind in den nächsten Jahren nur leichte Erhöhungen vorgesehen, die laut Goldmann nicht reichen würden, um die Kosten im Nahverkehr abzudecken.

Längerfristig, glaubt sie, wird nur noch eine Gebietskörperschaft als Besteller von Bahnleistungen auftreten. In Ländern wie Frankreich und Deutschland sei das schon umgesetzt, "Das wird auch bei uns kommen", sagte Goldmann. (APA)