Bild nicht mehr verfügbar.

Kunstschnee ist in Zeiten des späten und spärlichen Schnees mittlerweile Standard.

Foto: APA/dpa/dpaweb/Hildenbrand
Je seltener man dem Gast Schnee bieten kann, desto billiger müssten eigentlich die Liftkarten werden. Wer in Österreich an so eine Rechnung glaubt, könnte genauso gut von warmem Speiseeis träumen - denn die Preise steigen teils rasant an. Stärker als in der Schweiz, wie auch deutsche Medien bereits bemerkt haben.

Im Land Salzburg beispielsweise klettern die Tageskartenpreise heuer in der Hauptsaison auf bis zu 37,50 Euro. Die Preissteigerung liegt mit 2,5 bis drei Prozent damit höher als in der Schweiz, wo das Preisplus rund zwei Prozent ausmacht. In Salzburg dürfte die Obergrenze aber noch lange nicht erreicht sein sein. Der Direktor von Ski Amadé, Christoph Eisinger, hat bereits angekündigt, dass man bald die 40-Euro-Schallmauer durchbrechen werde.

Nicht Kosten deckend

Die Seilbahnwirtschaft argumentiert, dass trotz der Rekordpreise die Lifte nicht Kosten deckend betrieben werden können. Ursachen seien Inflation, Lohnerhöhungen und vor allem um 20 bis 30 Prozent gestiegene Energie- und Treibstoffkosten. Und mit den hohen Kundenansprüchen hadern die Liftgesellschaften auch: Alle wollten eine Sitzheizung am Sessellift, aber keiner wolle dafür zahlen, so der Sprecher der Salzburger Seilbahner, Ferdinand Eder, sinngemäß.

Eklatant fällt die Preissteigerung in Oberösterreich aus. Etwa in Hinterstoder, wo die Weltcuprennen in höhere Gefilde verlegt werden mussten. Um beachtliche 6,45 Prozent ist dort die Tageskarte für einen Erwachsenen im Vergleich zur Vorsaison teurer geworden. Innerhalb von zwei Saisonen kletterte der Preis gar um zehn Prozent.

In Westösterreich gibt man sich da vergleichsweise moderat. Preiserhöhungen zwischen 1,8 und mehr als drei Prozent, je nachdem, um welche Art von Karte es sich handelt, sind es in Tirol, rund drei Prozent in Vorarlberg. Dabei wären eigentlich wegen der gestiegenen Energiekosten "vier bis 4,5 Prozent" nötig, wie Hannes Steinlechner von den Arlberger Bergbahnen beteuert.

Das Nobelskigebiet Arlberg überschreitet aber auch so erstmals die magische 40-Euro-Grenze bei Tageskarten. 40,50 Euro kostet das Ticket für Erwachsene heuer. Natürlich habe man sich überlegt, ob das noch zumutbar sei, sagt Klaus Huber, Geschäftsführer der Arlberger Tarifgesellschaft. Es sei aber betriebswirtschaftlich notwendig. Auch die Investitionen in Beschneiungsanlagen nennt Huber als preistreibende Gründe.

Teurer Kunstschnee

Denn Kunstschnee ist in Zeiten des späten und spärlichen Schnees mittlerweile Standard. Teurer Standard, der aber nötig ist, um Gäste anzulocken. "Unser Aufwand würde sich ohne Beschneiung um 50 Prozent reduzieren", sagt Walter Casotti, Betriebsleiter der Albacher Bergbahnen in Tirol. Ein Kubikmeter Kunstschnee kostet zwischen einem und drei Euro, an die drei Quadratmeter Piste lassen sich damit (mit einer 30 Zentimeter dünnen Schneedecke ) präparieren. So es nicht mehr als zwei Grad misst und die Luft trocken ist.

Ingo Karl, Vorsteher des Fachverbandes der Seilbahnen Österreichs, regt an, dass "alle, die vom Wintersport profitieren" eine Art "Schneeschilling" für die Produktion von Kunstschnee einzahlen sollen. "Wir machen ja Schnee für alle. Und noch teurer wäre es, wenn wir keinen Schnee machen würden", so Karl.

Die Entwicklung mit Argusaugen beobachtet auch die Österreichische Hotel- und Tourismusbank (ÖHT), die Spezialbank zur Finanzierung von Tourismusangeboten, umso mehr, als die Hotels durch die Bank schon jetzt einen hohen Verschuldungsgrad aufweisen. Dennoch schlage sich der bisher apere Winter nicht auf die Bonität der Hotels nieder, erklärt ÖHT-Generaldirektor Reinhard Mücke: "Kritisch wird es erst, wenn eine ganze Saison ausfällt." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16./17.12.2006)