Graz - "Graz ist sicher nicht gefährdet durch US-Raketen", spielt der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Manfred Kammerer, auf bedrohliche Bildmontagen in der Freitag-Ausgabe der "Kleinen Zeitung" an. Aber der Fall sei ernst.

Ein "Raketen-Krimi" spiele sich derzeit in der steirischen Landeshauptstadt ab, hatte es auf der Titelseite geheißen. Der amerikanische Geheimdienst CIA habe eine kleine Grazer Handelsfirma im Visier, weil sie "Bauteile zum Atomprogramm" des Iran zuliefere. "Lächerlich", sagt der Anwalt des Drei-Mann-Unternehmens, Gerald Ruhri.

Das Kleinunternehmen DFE stehe tatsächlich unter Verdacht, sagte Kammerer im Standard-Gespräch, Bauteile in den Iran geliefert zu haben, die der Herstellung und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen dienen könnten. Eine "verlässliche, sensible Quelle" habe die Österreicher darauf aufmerksam gemacht. Bereits Mitte August sei in Folge dieser Angaben ein Grazer verhaftet worden. Dessen Sohn sei flüchtig, halte sich in Dubai auf und betreibe von dort die Geschäfte weiter. Gefahndet werde auch nach einer dritten Person.

Firmenanwalt Ruhri erfasst beinahe ein Anflug von Amüsement über den "Agententhriller" - wenn nicht sein Klient hinter Gittern säße. Jene fraglichen Kondensatoren, um die es gehe, "könnten in fast allen technischen Geräten vorkommen". Als Beweise habe die CIA unter anderem Auszüge aus der Internet-Enzyklopädie "Wikipedia" beigelegt und weitere Internetseiten Sein Klient wurde seiner Angabe nach deshalb inhaftiert, weil es wegen ausständiger Zahlungen um den Vorwurf der betrügerischen Krida und 70.000 Euro gehe. Und nicht wegen der Beihilfe zur Herstellung von Massenvernichtungsmittel oder für das umstrittene iranische Atomprogramm.

Für Ruhri ist die Sache so abgelaufen: die Handelsfirma DFE, die er vertritt, verfüge auch über Handelsbeziehungen in den Iran. Beim umstrittenen und geplanten Deal dieser Kondensatoren habe die Firma ein Anbot per Fax an die iranische Firma gesandt. Ruhri: "Das Fax wurde von der CIA abgefangen, und am nächsten Tag standen die österreichischen Fahnder vor der Tür." Fazit: Das Geschäft habe inzwischen eine amerikanische Firma gemacht, behauptet Ruhri. Die Staatsanwaltschaft betont indessen, die Firma sei mehrmals aufgefordert worden, derartige Lieferungen zu unterlassen. (Walter Müller/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 16./17.12. 2006)