Rom - Begleitet von Protesten der Opposition hat der italienische Ministerpräsident Romano Prodi zum zehnten Mal seit seinem Amtsantritt im Mai eine parlamentarische Vertrauensabstimmung gewonnen. Allerdings errang er am Freitagabend im römischen Senat nur durch die Unterstützung der Senatoren auf Lebenszeit eine Mehrheit. "Das ist eine Regierung ohne Mehrheit", kritisierte Oppositionschef und Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der seit Wochen offen auf den Sturz Prodis setzt.

162 Senatoren stimmten im Zuge der Haushaltsdebatte für die Mitte-Links-Koalition, 157 dagegen. Unter den Senatoren, die Prodi unterstützten, seien die ehemaligen Staatspräsidenten Carlo Azeglio Ciampi (1999-2006), Oscar Luigi Scalfaro (1992-99) und Francesco Cossiga (1985-92) gewesen, berichteten italienische Zeitungen am Samstag. Prodi habe sich nach der Abstimmung bei ihnen für ihre Entscheidung bedankt, hieß es. Prodis Koalition verfügt im Senat lediglich über eine Mehrheit von einer Stimme.

"Alles ganz ruhig"

Die Opposition kritisierte, es sei "das erste Mal, dass ein Haushalt nur Dank der Senatoren auf Lebenszeit verabschiedet wurde". Dagegen meinte Prodi: "Es wurde wieder einmal erwartet, dass die Regierung stürzt, aber wie immer verlief alles ganz ruhig."

"Dieser Etat ist nur die erste Stufe einer langfristigen Strategie zur Sanierung des Landes", sagte Prodi. Dagegen meinte die Mitte-Rechts-Opposition, Prodis Strategie sei eine "tödliche Medizin". Die Opposition wirft Prodi vor, sein Wahlversprechen vom Frühjahr gebrochen und Steuern erhöht zu haben. In der kommenden Woche steht eine weitere Etatdebatte in der Abgeordnetenkammer an, dort hat die Regierung aber eine klare Mehrheit.

In den vergangenen Wochen hatte es in Italien mehrfach Proteste gegen den Haushalt 2007 gegeben. Dieser sieht Einsparungen und Steuererhöhungen in Höhe von über 35 Milliarden Euro vor. Zugleich ist die Popularität der Regierung laut Umfragen deutlich gesunken. Berlusconi hatte mehrfach erklärt, die Opposition wolle "die Regierung nach Hause schicken". (APA/dpa)