Teheran/Brüssel - Der Iran reagiert auf den wachsenden Druck aus den USA und stellt seinen Außenhandel von Dollar auf Euro um. Insbesondere die strategisch wichtigen Öl-Einnahmen sollten in der europäischen Gemeinschaftswährung berechnet werden, kündigte Regierungssprecher Gholam Hossein Elham am Montag in Teheran an. Der Erdölexport macht etwa 80 Prozent der iranischen Deviseneinnahmen aus. Grund sind wachsende Handelsschwierigkeiten des Landes: Die USA haben vor dem Hintergrund des Atomkonflikts erreicht, dass zahlreiche Banken keine Geschäfte mehr mit iranischen Kunden machen.

"Die Regierung hat die Zentralbank angewiesen, den Dollar durch den Euro zu ersetzen, um die Probleme der Regierungsorgane im internationalen Handel und bei Warenkreditbriefen zu begrenzen", erläuterte Regierungssprecher Elham. Auch die Grundlage für die Berechnung des Staatshaushaltes wird nach seinen Angaben zur Zeit umgestellt.

In Brüssel fielen die Reaktionen zurückhaltend aus: "Es ist nicht sehr klar, was die iranische Regierung beabsichtigt", sagte eine Sprecherin von EU-Währungskommissar Joaquín Almunia. "In Euro zu rechnen ist nicht dasselbe wie den Euro als Devisenreserve zu nutzen." Sie wollte keinen Kommentar dazu abgeben, ob der Schritt Teherans eine Auswirkung auf die zwölf Euro-Staaten haben könnte.

Fast fünf Jahre nach Einführung des Euro in Europa zum 1. Jänner 2002 erhält die Gemeinschaftswährung damit weltweit immer größeres Gewicht. Mit Monaco, dem Vatikanstaat und San Marino führen drei Nicht-EU-Länder den Euro als nationale Währung. Bezahlt werden kann mit dem Euro auch im Kosovo und in Montenegro sowie in Andorra. Zudem haben zahlreiche Länder ihre nationale Währung über Wechselkursmechanismen an den Euro gekoppelt. Dies gilt etwa für Russland, Serbien, Israel und Marokko. (APA)