Moderatorin: derStandard.at begrüßt den künftigen ORF-General Alexander Wrabetz im Chat. Wir freuen uns auf spannende Fragen.

Alexander Wrabetz: Schönen guten Tag! Ich freue mich beim Standard-Chat zu Gast zu sein.

Userfrage per Mail: Wie wollen Sie am 10. April die größte Programmreform in der Geschichte des ORF schaffen, wenn bisher über weite Strecken weder konkret Verantwortliche bestimmt noch Pilotsendungen gemacht wurden?

Alexander Wrabetz: Mit der Leistungsfähigkeit und der Motivation der ORF-Mitarbeiter werden wir es in den 100 Tagen schaffen. einige wichtige Vorentscheidungen sind schon gefallen und Projekte eingeleitet.

kegmeon: Wie wollen Sie dem Bildungsauftrag gerecht werden?

Alexander Wrabetz: Durch Ausbau der Information, insbesondere im ORF 1, Schärfung des "öffentlich-rechtlichen" Profils im Hauptabend, z.B. durch vermehrte Dokumentation.

Wednesday: ab wann wird die zib1 nicht mehr durchgeschaltet?

Alexander Wrabetz: Ob die Durchschaltung beendet wird ist noch nicht endgültig entschieden und muss zuvor mit dem Stiftungsrat diskutiert werden, wenn es hier Änderungen gibt werden Sie am 10. April in Kraft treten.

Userfrage per Mail: Wird Armin Wolf nun Chef der Zib 2? Wenn nein: wer sonst? Und wer soll die Zib 1 leiten? Waltraud Langer?

Alexander Wrabetz: Bei aller Wertschätzung des Standard-Chat werde ich keine personalen Entscheidungen auf diesem Weg verkünden.

Userfrage per Mail: Als Armin-Wolf-Fan würde ich gerne wissen, ob es in Hinkunft möchlich sein wird, Wolf öfter in der Zib 2, sowie als Interviewer bei politischen Diskussionen (wie zum Beispiel Sommergespräche 2005) erleben zu dürfen?

Alexander Wrabetz: Zu den Einzelfragen siehe oben. Grundsätzlich ist Armin Wolf einer unserer besten Journalisten und Bildschirmpersönlichkeiten und soll daher in Zukunft sicher öfter zum Einsatz kommen.

Wednesday: was unterscheidet ihren führungsstil von dem von frau lindner?

Alexander Wrabetz: Den Führungsstil von Frau Dr. Lindner will ich hier nicht beurteilen. Ich selbst bemühe mich durch offene und auch kontroversielle Diskussionen zu Entscheidungen zu kommen und soviel wie möglich zu kommunizieren.

Userfrage per Mail: Ist der ORF nach der Abwahl von Monika Lindner endlich bereit, Filme wie "Artikel 7 - unser Recht" oder "Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" zu zeigen?

Alexander Wrabetz: Das ist keine grundsätzliche Frage, sonder von den Programmverantwortlichen zu entscheiden.

Wednesday: wie ist ihr verhältnis zu hr. mück?

Alexander Wrabetz: Korrekt. Ich stehe auch zu meiner Entscheidung Herrn Mück bei TW1 einzusetzen, da ich glaube, dass er dort zur Weiterentwicklung des Senders einiges beitragen kann. Dies unabhängig von der Tatsache, dass wir in der Vergangenheit zu wichtigen Fragen unterschiedliche Auffassungen hatten.

Haltsmaul: Haben Sie Angst vor Hrn. Mück? Warum sonst darf er trotz mangelnder Führungsqualität weiterhin in leitender Position tätig sein? Warum musste er sich nicht einmal bei den von ihm bedrohten und diskriminierten Angestellten entschuldigen?

Alexander Wrabetz: Ich habe mit meiner Kandidatur und einigen Taten und Ansagen gezeigt, dass ich mich von niemanden fürchte, so natürlich auch nicht vor Herrn Mück. Ich glaube, dass er bei TW1 richtig eingesetzt ist und er eine korrekte Übergabe seines bisher viel größeren Aufgabenbereichs durchführen wird.

Herr Hofrat Pospischil: Empfanden sie den ORF in der Ära Linder als zu wenig kritisch im Umgang mit der schwarz/blau/orangen Koalition?

Alexander Wrabetz: Der ORF muss sich durch objektive Berichterstattung und kritische Distanz zur Politik auszeichnen. In den letzten Wochen ist es vielfach schon sehr gut gelungen. Ich bin sicher, dass das im neuen Jahr noch stärker deutlich werden wird.

erinnye: Hat SOS ORF wirklich eine Entpolitisierung gebracht?

Alexander Wrabetz: SOS ORF hat wichtige Diskussionen ausgelöst. Tatsächlichen Einfluss auf die Entscheidungen des Stiftungsrates hatte SOS ORF aber nicht. Und das grundsätzliche Problem der politiknahen Bestellung des Stiftungsrates bleibt bestehen.

xEurocent: Wurde in ihrem Büro bereits das Capofon installiert?

Alexander Wrabetz: Nein.

Wednesday: was sehen sie als größte herausforderung für den orf in den nächsten 5 jahren?

Alexander Wrabetz: Das Gelingen der Programmreform im TV.

Rafaela: Wie sehen Sie den ORF im Vergleich mit den deutschen Öffentlich-rechtlichen Sendern?

Alexander Wrabetz: Wir leisten mit weniger Geld (weniger Gebührenhaushalte) und weniger Mitarbeiter mehr für das Land. Teilweise vollziehen die deutschen öffentlich rechtlichen jetzt jene Programmreformen die der ORF unter Gerhard Zeiler Mitte der 90er durchgeführt hat und haben damit die Nummer 1 Position von den Privaten zurückerobert.

Wednesday: welches programmformat sind sie anderen sendern "neidig" (um es mal so auszudrücken)?

Alexander Wrabetz: Um keines.

jer3000: Wird weiterhin differenziert zwischen einem "jungen ORF 1" und einem "alten ORF2"?

Alexander Wrabetz: Die Sender werden auch in Zukunft klar positioniert sein. Allerdings darf ORF 2 nicht "alt" und ORF 1 nicht "nur jung" sein. Während ORF 1 stärker urban und international ausgerichtet ist, aber durchaus auch mit viel Information wird ORF 2 "breit" und österreichisch ausgerichtet sein. Beide Sender zusammen müssen sich aber als ORF-Sender klar von der Konkurrenz abheben.

finz hohenhausen: Was meinen Sie mit "Programmreform"? Wurder der ORF derart abgewirtschaftet, dass Ihn nur die "Größte Programmreform der Geschichte des ORF" retten kann? Ist der ORF für Sie persönlich eine deratige Qual, dass Sie nur darauf gewartet haben ihn zu re

Alexander Wrabetz: Der ORF ist mit 43 % Marktanteil in den KaSat-Haushalten außerordentlich erfolgreich und ich schätze unsere Programme. Gerade erfolgreiches soll aber zum richtigen Zeitpunkt erneuert werden um erfolgreich zu bleiben. Der Zeitpunkt für diese Gesamterneuerung ist jetzt gekommen.

fbj: Warum werden Serien wie "Eine himmlische Familie", "Sabrina" oder "Samlevill" zum Xten Male wiederholt?

Alexander Wrabetz: Kein Sender der Welt kann nur Erstausstrahlungen senden. Die neue Produktion soll auf dem Hauptabend konzentriert werden.

jaeger angler: es wird viel über neue österreichische serien gesprochen die den vorzug gegenüber von ausländischen serien haben soll, nun ist die neue soap mitten im achten ein holländisches wg und beisl format mit deutscher durchführung an den wichtigsten punkten

Alexander Wrabetz: Die Serie "Mitten im 8." wird in Österreich produziert, ist ausschließlich mit österreichischen Schauspielern besetzt, wird von österreichischen Autoren geschrieben. Teilweise greifen wir auf internationales Produktions-Know How zurück, das aber so rasch wie möglich "austrifiziert" wird.

jer3000: Wie wird künftig das Kinderprogramm im ORF aussehen? Gibt es bereits erste Überlegungen? Neupositionierung? Zusammenarbeit mit dt. Privat-Kinderkanälen?

Alexander Wrabetz: Mit deutschen Privatkinderkanälen sehe ich keine besonderen Ansatzpunkte für Kooperationen, möglicherweise jedoch mit dem öffentlich rechtlichen Kinderkanal (KiKa). Schwerpunkt unseres Kinderprogramm muss die österreichische Eigenproduktion sein, da nur diese die Unterscheidbarkeit sicherstellt. Eine konkrete Maßnahme werden neue Sendezeiten sein damit wir teure Eigenproduktionen nicht dann spielen wenn Kinder/Jugendliche in der Schule oder am Schulweg sind.

Cle Mens: Wird die Sendezeit für Kunst- und Kulturthemen weiter gekürzt werden?

Alexander Wrabetz: Nein.

cand.phil.: Unsynchronisierte englischsprachige Filme und Serien mit Untertiteln sind ein wesentlicher Grund dafür, dass uns viele europäische Nationen wie die Skandinavier, Holländer oder Balten in ihrer Fremdsprachenkompetenz weit überlegen sind. Wäre es nich

Alexander Wrabetz: Wir werden die Ausstrahlungen in Zweikanalton verstärken, sodass die Möglichkeiten die Programme in Originalsprache zu sehen/hören verbessert werden. Die generelle Ausstrahlung in Englisch wird nicht kommen.

manuel bräuer: Was halten Sie von der Idee Hermes Phettberg als Talkmaster zurückzugewinnen?

Alexander Wrabetz: Das sollte der Programmdirektor Wolfgang Lorenz beantworten.

xEurocent: Soll es in Zukunft auch verstärkt Nachrichtensendungen am M

Alexander Wrabetz: Unsere erste Nachrichtensendung ist um 6 Uhr (in Ö1) gefolgt vom Morgenjournal um 7 Uhr. Ich glaube dass die Österreicher ihr Informationsbedürfnis in der Früh stärker im Radio oder online als im TV befriedigen und wir daher aus Kostengründen in naher Zukunft die TV-Morgeninformation eher nicht ausbauen werden.

Svein Stroemsnes: Wie kann derGebührenzahler in der künftigen Struktur Einfluss nehmen auf die Programmgestaltung ?

Alexander Wrabetz: Die Kommunikation mit dem Publikum soll in vielfältiger Form ausgebaut werden. Wir werden auch Programme entwickeln die starke interaktive Elemente haben. Die Programmmverantwortung wird aber auch zukünftig bei den Programmachern und Journalisten liegen. Darüber hinaus nimmt jeder durch sein Sehverhalten massiv auf die Programmgestaltung Einfluss.

seimen: Kann man mit einem ORF-Programmschema, das Starmania, Primavera, u.ä; beinhaltet, noch von Bildungsauftrag des öffentlich rechtlichen Fernsehens sprechen, und ist so gesehen die GIS wirklich legitim?

Alexander Wrabetz: Der Auftrag des ORF ist ein Gesamtauftrag der Information, Bildung, Wissen, Sport und Unterhaltung umfasst. Den Mehrwert der die Gebühren legitimiert haben wir ständig im Auge und bemühen uns jeden Tag die Programmentgelte zu rechtfertigen.

GERHARD MIKO2: Sg. Herr WRABETZ, bleiben die ORF-Gebühren zumindest 2007/2008 gleichh hoch?

Alexander Wrabetz: Für 2007 wird es sicher keine Erhöhung geben.

kalind: Soll Franz Manola tatsächlich Orfon verlassen?

Alexander Wrabetz: Sie oben zu Personalfragen nehme ich hier nicht Stellung. Klar ist aber dass Franz Manola einer unserer besten ist und bleiben wird.

Enduser: online ist es dem orf gelungen der krone den rang des reichweitenstarken boulevard abzulaufen - youtube und google kratzen jedoch an ihren klassischen geschäftsmodellen - wie sieht ihre online strategie aus ?

Alexander Wrabetz: ORF online ist sicher außerordentlich reichweitenstark aber eindeutig Information und nicht "Boulevard". Bei Google und YouTube geht es um andere Nutzungen. Eine Plattform für private Videos wie YouTube ist sicher nicht Aufgabe eines Mediums. Im Übrigen wird sich noch herausstellen, ob YouTube überhaupt ein "Geschäftsmodell" zugrunde liegt oder es sich ökonomsich gesehen um eine neue Form der Internetbubble handelt. Im Onlinebereich wird es darum gehen, den außerordentlich erfolgreichen Kurs der Vergangenheit fortzusetzen.

Userfrage per Mail: Ö3 hat in den vergangenen Monaten in mehreren Bundesländern am Nachmittag Regionalsendungen gemacht und wieder gestoppt. Wird das fortgesetzt oder ausgebaut? Entspricht das dem ORF-Gesetz?

Alexander Wrabetz: Das ist im Rahmen der rechtlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten von Ö3 zu entscheiden.

Die Frau vom Rathausmann: Haben Sie vor, sich bei weniger wichtigen Terminen durch Roland Düringer vertreten zu lassen? Wie man bei 'Dorfers DT" sehen konnte, wäre das durchaus möglich und könnte so Ihre Lebensqualität erheblich steigern ;-)

Alexander Wrabetz: Mache ich eh schon öfter, ist aber anscheinend noch niemanden aufgefallen.

Userfrage per Mail: Ist es richtig, dass Werner Mück als neuer TW1-Chef mit nur neun Angestellten das Gehalt eines Landesintendanten bekommt, also rund 230.000 Euro, mit zwei Büros in Salzburg und Wien? Und stimmt es, dass sein bisheriger Stellvertreter als TV-Chefreda

Alexander Wrabetz: Zu Personalfragen gebe ich wie gesagt hier keine Stellungnahmen ab. Die Entwicklung von TW1 ist eine Aufgabe die jedenfalls qualifiziertes Personal und ausreichende Ressourcen benötigt.

dreyfurz #1: wenn sie in den orf-foren die postings lesen, lachen, heulen oder erschrecken sie?

Alexander Wrabetz: Je nach dem, aber ein realistischer Blick auf das wirkliche Publikum kann nie schaden.

Wednesday: gibts irgendeine chance wieder mal das fast vergessene testbild im orf zu sehen? ;-)

Alexander Wrabetz: Das ist vielleicht etwas für den neuen Info/Kultur-Kanal auf TW1. Dort soll ja wichtiges und sehenswertes aus unseren Archiven dem Publikum wieder gezeigt werden. :-)

Moderatorin: derStandard.at bedankt sich bei Herrn Wrabetz für den Besuch und bei den UserInnen für die rege Teilnahme. Wir wünschen noch einen schönen Tag.

Alexander Wrabetz: Ich danke für die spannenden Fragen und falls gewünscht auf ein baldiges wiederchatten.