Das FBI benützt ein extrem schnelles System namens "Carnivore" um verdeckt E-Mails nach kriminellen Inhalten zu scannen. Im wesentlichen handelt es sich um eine spezielle Software, die Millionen von E-Mails pro Sekunde scannen kann. Das System hat bereits zahlreiche Privacy-Aktivisten und auch einige Leute aus der Computer-Industrie auf die Barikaden geholt. Der Fleischfresser Das FBI-System ist in einem Labor in Quantico entwickelt worden. Der Name "Carnivore" kommt von der Fähigkeit des Systems "das Fleisch" der gewünschten Information aus einer riesigen Datenmenge zu bekommen. FBI-Techniker haben das System vor zwei Wochen Experten aus der Industrie vorgestellt mit dem Ziel standardisierte Schnittstellen für das Anzapfen durch Bundesbehörden zu schaffen. Schrecken für Internet Provider Die Internet-Industrie schreckte bei diesen Plänen auf, denn wenn Carnivore eingesetzt wird, muss es direkt in die Netzwerke des Internet Providers integriert werden. Das gibt der Regierung die (theoretische) Möglichkeit jede digitale Kommunikation, von E-Mail bis Online Banking, zu überwachen. Ähnliches wie bei einem System des KGB-Nachfolgers FSB in Russland (der WebStandard berichtete), wird in vielen Fällen ein Carnivore-Computer in einem verschlossenen Gehäuse beim Provider installiert. Agenten holen dann täglich die aufgezeichneten Daten ab. Präzises Mitschneiden Das FBI verteidigt seinen "Fleischfresser" als wesentlich präziser als bisherige Abhör-Methoden. Das System lasse es zu, die digitalen Taten eines einzelnen aus dem Datenstrom von Millionen anderer User herauszufiltern. Mark Rasch, ehemaliger Bundesverfolger von Computer-Verbrechen, meint, dass das System einige Privacy-Fragen in den Raum stelle, da es Teile jedes Datenverkehrs analysiert, wenn auch nur um festzustellen, ob es aufgezeichnet werden soll. "Es ist das elektronische Äquivalent davon, alle Telefongespräche aufzuzeichnen, um zu sehen welche Anrufe man aufzeichnen sollte", sagt Rasch. "Man sammelt enorm viel Informationen." Provider im Kampf gegen Windmühlen Der Anwalt eines der wenigen Internet Provider, die sich juristisch gegen die Carnivore-Pläne wehren, sagt, dass sein Klient besorgt ist, dass das FBI Zugang zu allen E-Mails hätte. Ein Bundesrichter hatte gegen den Provider ein Urteil verfügt, dass ihn verpflichtete, dem FBI den Zugang zu den Systemen zu ermöglichen. Marcus Thomas, Chef der FBI Cyber Technology Abteilung in Quantico, sagte Carnivore sei lediglich die Methode des FBI mit den Veränderungen des Internet mitzuhalten. "Es ist einfach ein sehr spezialisierter Sniffer." (ars)