Die Staatsanwaltschaft Wien wird unmittelbar nach dem Jahreswechsel entscheiden, ob gegen den ehemaligen ARBÖ-Generalsekretär Rudolf Hellar Anklage wegen Untreue erhoben wird oder die insgesamt drei Strafanzeigen zurückgelegt werden, die zur fristlosen Entlassung Hellars geführt hatten. "Der Akt wird Anfang Jänner enderledigt", hieß es am Dienstag seitens der Anklagebehörde auf APA-Anfrage.

Schon seit einigen Wochen verfügt der zuständige Staatsanwalt über den umfangreichen Abschlussbericht der Kriminalpolizei, die schweren Vorwürfen nachgegangen war, wonach Hellar wissentlich und wiederholt seine Befugnis missbraucht haben soll, über das Vermögen des Autofahrerclubs zu verfügen. Nun ist auch das Gutachten eines Münchner Grafologen eingetroffen, mit dem unter anderem mittels der Analyse von Kugelschreiberdruckspuren und Papierabnutzung das Alter von Schriftstücken geklärt werden sollte, die Hellar und der damalige ARBÖ-Präsident Herbert Schachter angefertigt haben könnten.

Jahresgehalt von rund 240.000 Euro

Die Anklagebehörde erhoffte sich davon vor allem einen Sachbeweis für die im Raum stehende, womöglich als Befugnismissbrauch anzusehende "sachunangemessene Vertragsgestaltung", die Hellar zuletzt inklusive Sonderzahlungen ein Jahresgehalt von rund 240.000 Euro eingebracht haben soll.

Dem Vernehmen nach dürfte die Expertise kein eindeutiges Ergebnis erbracht haben. Demnach konnte der Gutachter das Alter der Schriftstücke, mit denen Schachter - im Zivilberuf ein angesehener, versierter Rechtsanwalt - einer Anzeige zufolge Hellar angeblich zu dessen "Traumgehalt" verholfen haben soll - nicht eindeutig bestimmen.

Weitere Anschuldigungen gegen den früheren Geschäftsführer betreffen vor allem Spesenabrechnungen und Entnahmen aus der Bargeldkasse sowie Vorgänge rund um die Hausrenovierung Hellars, die dieser zum Teil über "Gegengeschäfte" - sprich: über nicht in Rechnung gestellte Inserate in der ARBÖ-Postille "Freie Fahrt" - finanziert haben soll. Im Fall einer Anklageerhebung und eines Prozesses drohen Hellar bei einem Schuldspruch bis zu zehn Jahre Haft, sollte ihm ein Schaden jenseits der 40.000 Euro-Grenze nachgewiesen werden können. Für Hellar gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. (APA)