Über den Resten des halb verfallenen Schlosses Reifnitz will Frank Stronach ein Erholungszentrum für Manager bauen.

Foto: Standard/Ferdinand Neumüller

Klagenfurt - Nackt und still blickt Schloss Reifnitz über den See. Der idyllische alte Park, der es umgab, ist längst gerodet. Nur mehr Baumstummel erinnern an den einst schönsten Platz am Wörthersee, der zudem noch öffentlich zugänglich war. In Bälde werden dort die Bagger anrollen. Heute gehört das Areal Frank Stronach, der eine Wohlfühlstätte für betuchte Manager errichten will. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit der ortsansässigen Bürgerinitiative "Maria Wörth lebenswert" darf jetzt endgültig gebaut werden.

Die Bauverhandlung fand zu Wochenbeginn statt. Vertreter der Bürgerinitiative bekamen keine Parteienstellung. Sie befürchten, dass das endgültige Projekt, das nach vehementen Protesten verkleinert wurde, doch wieder größer ausfallen könnte. Gebaut werden soll ein Hotel sowie nunmehr sieben Villen samt Wellness und Schönheitszone. Das alte denkmalgeschützte Schloss, einst ein bekanntes Wahrzeichen des Wörthersees, später durch die öffentliche Hand und zur Müllablagestätte verludert, soll renoviert werden und in Zukunft ein feines Restaurant beherbergen.

Etwa 30 Meter vom Schloss entfernt entstehen die Villen und etwa 100 Meter weiter das Hotel mit luxuriösen Suiten. Über wie viele Hotelbetten es tatsächlich verfügen wird, kann Bürgermeister Adolf Stark (BZÖ) als Bauinstanz nicht sagen. In einem ersten Entwurf war von 275 Betten die Rede. Nur soviel: die Villen sollen das Schloss nicht überragen. Das will man seitens der Bürgerinitiative nicht recht glauben, denn am Wörthersee grassiere derzeit ein regelrechter Bauwahn nach der Devise immer mehr, immer höher, vor allem bei Appartements. "Das ist bei uns unmöglich, denn es gibt nur eine Widmung in Bauland Kurgebiet", beschwichtigt der Bürgermeister. "Versprochen wird viel, doch eingehalten nur wenig. Man fährt heute über die Bürger drüber", zeigt sich ein Anrainer resigniert. "Den Großen wird alles hingeschmissen, die Kleinen müssen den Mund halten". Für Stronach, der Schloss Reifnitz samt 69.141 Quadratmetern Ia-Lage am See zum Preis von 6,4 Millionen Euro erhielt, sollen nun auch Teile der Süduferstraße untertunnelt werden. Der Bau des versprochenen Magna-Werkes in Klagenfurt lässt unterdessen weiter auf sich warten. (Elisabeth Steiner/D ER S TANDARD , Print-Ausgabe, 20.12. 2006)