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Foto: APA/AP/Paul Sakuma

2006 war das Jahr, das Linux veränderte, dies meint zumindest Linux-Watch und liefert in einem Artikel auch gute Gründe für diese Aussage mit.

Ein kontinuierlicher Weg

Wie Steven J. Vaughan-Nichols in seinem Artikel schreibt, ist Linux auch in den abgelaufenen zwölf Monaten seiner kontinuierlichen Weiterentwicklung gefolgt und habe sich von seinen technophilen Wurzeln weiter hin zum Betriebssystem des Big Business entwickelt. "Nun, es war die richtige Richtung, aber 2006, hat diese Entwicklung vielen Linux-Fans einen Schlag ins Gesicht versetzt".

Die fünf wichtigsten Änderungen

Vaughan-Nichols liefert die, aus seiner Sicht, fünf wichtigsten Änderungen die Linux betrafen in diesem Jahr. Es gab aus Sicht des Autors einige Änderungen, die sich die Linux-AnwenderInnen der vergangenen Jahre wohl nicht erwartet hätten. "Ob man es nun mag oder nicht, aber diese Veränderungen lassen aus meiner Sicht den eindeutigen Schluss zu, dass die Zukunft von Linux im Mainstream liegt."

Oracles Unbreakable Linux

Als ersten Punkt erwähnt der Autor das IT-Unternehmen Oracle. Oracle war das erste große Unternehmen, das Linux nicht "nur" einsetzte oder für seine Gewinnmaximierung ausnutzte, sondern mit Oracle Unbreakable Linux seine eigene Distribution entwickelte. Egal wie sich Larry Ellison und seine KollegInnen danach auch immer verhalten haben – eines sei nun klar: "Oracle, lebe damit, du bist nun en Linux-Distributor. Denkt nach, ich halte es für eine echt dumme Idee".

Microsoft und Novell

Kurz nach der Ankündigung von Oracle kam es 2006 zu der wohl weitreichensten Änderung für Linux in diesem Jahr. Novell und Microsoft fanden zusammen oder wie Vaughan-Nichols schreibt: "Die Macys und Gimbels (große Einkaufsketten in den USA, ANm. d. Red.) der Betriebssystemwelt beschlossen Partner zu sein um so Linux und Windows kompatibler zu machen". Der erste große Schritt war, dass Microsoft nun, nach allen Anfeindungen der letzten Jahre, Linux als ein ernsthaftes Betriebssystem anerkannte. Der Softwarekonzern konnte "es nicht mehr länger ignorieren, verspotten oder dumme Spielchen spielen. Microsoft muss lernen damit umzugehen".

Betrüger und Verräter

Der zweite Teil dieser Partnerschaft betraf die Linux-Community. Viele Fans standen auf und verdammten die Partnerschaft. So etwa Bruce Perens, einer der Open-Source-Begründer, fühlte die Ideen durch Novell betrogen und startete eine Petition um Novell dazu zu bewegen die patentrechtlichen Teile der Abmachung zu ändern. Zur gleichen Zeit vermeldete Richard M. Stallman, Autor der GPL, dass die Partnerschaft die GPLv2-Linzenz nicht verletzte, fraglich bliebe aber ob dies auch bei der GPLv3 der Fall wäre. "Obwohl viele Open-Source-Fans auf die Abmachung pfiffen, scheint sich Novells Schritt auszuzahlen – zumindest für das Unternehmen. Novell wollte seinen einzementierten Platz 2 hinter Red Hat endlich verlassen und allem Anschein nach dürfte das Unternehmen durch diesen Schritt bei KundInnen nun wirklich Aufmerksamkeit generiert haben. "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass, wenn sich die Wahl zwischen die-Community-glücklich-machen oder GeschäftskundInnen zu erfreuen, Novell nun für sich herausgefunden hat, wer die Rechnungen zahlt".

Proprietär und frei

Einer der heftigsten Kritiker des Deals war der Linspire-CEO Kevin Carmony. Ironischerweise war er einige Monate zuvor selbst ins Fadenkreuz der KritikerInnen geraten, als sein Unternehmen Freespire 1.0 veröffentlichte. Ein freies Debian-basierendes Linux-Betriebssystem, das Open-Source-Software mit proprietären und lizensierten Drivern, Codecs und Applikationen verbindet. "Einige AnwenderInnen wird nur bei dem Gedanken, dass sich proprietäre Software in Linux befindet, schlecht. Linspire, im Geiste verbunden mit der führenden Open-Source-Figur Eric Raymond, glaubt, dass diese Entwicklung wesentliche Vorteile bringt, etwa in Bezug auf den iPod und die Millionen UserInnen, denen Linux bislang verschlossen war". Andere Distributoren haben sich als Reaktion auf diese Entwicklung noch deutlicher von proprietärer Software abgegrenzt, so etwa das von der Free Software Foundation (FSF) unterstützte "gNewSense", welches auf Ubuntu und Debian basiert".

Die Zukunft

Aus Sicht des Autors ist Linspires Schritt durchaus eine richtige Entwicklung, will Linux in der Zukunft auf dem Desktop eine größere Rolle spielen als bisher. Novell und Linspire haben unterschiedliche Wege gewählt, um mit proprietärer Software leben zu können. "Unterm Strich muss es aber klar sein, dass beide mit proprietären Unternehmen zu tun haben".

FSF und Linuxkernel

Eine weitere tiefgreifende Veränderung war die Aufspaltung der Linuxkernel-EntwicklerInnen und der FSF. Der Grund liegt dabei in der Tatsache, dass die FSF die Weiterentwicklung der GPLv3 vorwärts treibt, die Linuxkernel-EntwicklerInnen rund um Linus Torvalds dieser aber wenig abgewinnen können – wie die offen ausgetragenen Konflikte zwischen Torvalds und Stallman heuer gezeigt haben. "Einmal mehr sehe ich hier einen Konflikt zwischen den Pragmatikern, wie etwa Linus Torvalds, die den Code frei halten wollen und den Idealisten, die die nächste GPL mit Anti-DRM (Digital Rights Management) aufpeppen wollen".

Ubuntu

Ein gutes Beispiel für die Entwicklung für Linux als Betriebssystem gibt Ubuntu ab. Diese Distribution wuchs in diesem Jahr stark an Beliebtheit und entwickelt sich langsam aber kontinuierlich zur treibenden Kraft im Linuxgeschäft. "Ubuntu wird wahrscheinlich immer frei bleiben, aber Canonical, Ubuntus kommerzielle Muttergesellschaft macht Deals mit Sun und arbeitet an der Vermarktung und Etablierung des Ubuntu-Supports für GeschäftskundInnen".

Das große Thema

Dies sind also die großen fünf Veränderungen für Linux in diesem Jahr, doch folgen sie alle einem großen Thema, das erst 2007 seine wahre Bedeutung zeigen wird: der Aufspaltung der Linux-Community. "Auf der einen Seite finden sich jene, die Mozillas markengeschützte Firefox-Artwork so strikt verfolgen, dass sie eher bereit sind Firefox zu IceWeasel werden zu lassen, als einen Kompromiss zu suchen". IceWeasel ist ein Firefox-Derivat von Debian. Die Namensänderung war nach einem Streit zwischen den Debian-Entwicklern und der Mozilla Corporation notwendig, da das Logo anders als der Name Firefox nicht nur durch das Markenrecht, sondern auch durch das Urheberrecht geschützt ist und nicht unter einer freien Lizenz freigegeben wurde. Damit entspricht dieser nicht den Debian Free Software Guidelines und kann nicht in die Distribution aufgenommen werden. Der Markenpolitik von Mozilla erlaubt die Benutzung des Namens Mozilla Firefox jedoch nur gemeinsam mit dem Logo.

"Auf der anderen Seite findet sich Red Hat, das JBoss aufgekauft hat und nun an der New Yorker Börse zu finden ist und plant sich bald im großen Geschäft zu finden. Ich erwarte, dass sich diese Trends 2007 noch weiter ausprägen werden. Linux wird zwischen GPLv2 und GPLv3 hin- und hergerissen sein. Wir werden Gruppen – Debian? – erleben, die sich von den kommerziellen Linux-Distros, von Novell über Red Hat bis zu Linspire - klar abgrenzen werden und in diesen die Verräter der freien Software-Wurzeln in Linux sehen werden. Auch der endgültige Bruch zwischen den Freie-Software-Idealisten und den kommerziellen-Open-Source-Pragmatisten wird stattfinden. Aber gleichzeitig wird Linux zu neuen ungeahnten Höhen aufbrechen und stärkere Popularität erleben – sowohl für Privat- wie auch GeschäftskundInnen", wagt Vaughan-Nichols eine Prognose für 2007.(red)