Wien - Bei der Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) sind die Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Bodenpersonal vorerst ausgesetzt. Grund sei eine "unbewegliche Haltung der Belegschaftsvertretung" für das kaufmännisch-technische Personal, teilte die AUA am Donnerstag mit. Jetzt sollen "individuelle Angebote" Mitarbeiter zum "freiwilligen Abschied" bewegen.

Sozialplan

Zugleich deutet die AUA weitere Gesprächsbereitschaft an: "Die Türe ist zu, jedoch sicherlich nicht versperrt", heißt es in der AUA-Stellungnahme. Das Management sei "klarerweise weiterhin gesprächsbereit" und "zuversichtlich, dass man eine Einigung über einen Sozialplan für die einvernehmliche Auflösung von Dienstverhältnissen auch im kaufmännisch-technischen Unternehmensbereich erzielen wird".

Das Unternehmensangebot für einen Sozialplan in diesem Unternehmensbereich liege "deutlich über dem Niveau üblicher Sozialpläne" und gehe auf die Anliegen der Belegschaftsvertretung ein, so die AUA. Die Unternehmensleitung werde jetzt "einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern individuelle Angebote für die einvernehmliche Auflösung von Dienstverhältnissen machen". Diese Angebote würden "freiwillige Zusatzzahlungen" zu den regulären KV-Abfertigungen beinhalten, sie seien "attraktiv und orientieren sich am bisherigen Unternehmensangebot", heißt es.

Festgehalten wird an der bisherigen Politik, weder "Zielwerte des Mitarbeiterabbaus" noch Details der Sozialpläne oder individueller Angebote oder Zeitleisten zu nennen. Angaben dazu soll es erst nach Abschluss des "Redimensionierungsprogramms" tun. Das sei mit dem Betriebsrat so vereinbart.

Vermeidung von Kündigungen

Der "notwendige Kosten- und Personalabbau in Folge der Redimensionierung der Langstrecke" werde "mit hohem sozialem Augenmaß unter Berücksichtigung der Kernprozesse und -funktionen des Austrian-Konzerns durchgeführt", das stehe außer Frage. Angestrebt sei, den Personalabbau "weitestgehend ohne Kündigungen" durchzuführen, also in Form einvernehmlicher Auflösung von Dienstverhältnissen.

Der Boden-Betriebsrat zeigte sich gestern "überrascht" über den Abbruch der Gespräche. Laut einem Zeitungsbericht ("Presse") soll der "freiwillige Personalabbau" bis Mitte Jänner abgeschlossen sein - auch ohne "Extrazuckerl", habe die Unternehmensleitung angekündigt. In Medien wird über eine Größenordnung von rund 1.000 Personen, Boden- und Flugpersonal, spekuliert. Die AUA lässt sich den Sozialplan rund 90 Mio. Euro kosten.

Gewerkschaft GPA-DJP fordert Rückkehr an Verhandlungstisch

Die Gewerkschaft der Privatangestellten, Druck, Journalismus, Papier (GPA-DJP) kritisiert den Abbruch. Es sei "völlig unverständlich", dass das AUA-Management "kurz vor Abschluss der Verhandlungen über einen Sozialplan für das AUA-Bodenpersonal den Verhandlungstisch verlassen hat", teilte die Gewerkschaft heute, Donnerstag, mit. Dieser Schritt sei wenige Tage vor dem Weihnachtsfest "nur als Akt sozialer Kälte zu bewerten", so der stv. Bundesgeschäftsführer Karl Proyer.

Obwohl die Standpunkte zwischen Betriebsrat und Management zuletzt gar nicht weit auseinander gelegen seien, werde nun von der Unternehmensführung "in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, der Betriebsrat des Bodenpersonals würde völlig überzogene Forderungen stellen", so Proyer. Der Betriebsrat sei "jederzeit zu Gesprächen bereit", unterstreicht die GPA-DJP.

Einen solchen Umgang hätten die Mitarbeiter, die laut Proyer "die über Jahrzehnte für eine positive Entwicklung des Unternehmens gesorgt haben und sicher keine Schuld an den jüngsten Problemen der Branche tragen", nicht verdient. Proyer "appelliert an das Management, das Angebot des Betriebsrates, die Verhandlungen fortzusetzen, anzunehmen und den betroffenen Angestellten ein positives Signal für einen erfolgreichen Start in ihre Zukunft zu geben". (APA)