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Daniela Iraschko, beste ÖSV-Springerin, im Juli beim Sommer-GP in Park City.

Foto: AP/Pizac
Vancouver/Wien - Von Diskriminierung hält man in Kanada nicht viel. Da kann selbst eine konservative Regierung ein liberales Gesetz nicht kippen, das die Ehe von gleichgeschlechtlichen Partnern/Partnerinnen akzeptiert. Zu eindeutig votierten die Volksvertreter vor zwei Wochen dagegen. Kanadas Skispringerinnen haben dieser Tage dennoch einen Missstand aufgedeckt. Die Athletinnen wollen die Regierung ihrer Heimat klagen, weil diese, so die Argumentation, eine Veranstaltung unterstützt, die Frauen diskriminiere. Gemeint sind die Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver, und gemeint ist das Skispringen, das als einzige Sportart dieser Winterspiele den Herren vorbehalten ist.

Bedingung erfüllt

In Österreich goutiert man die Initiative. "Das Damen-Skispringen muss olympisch werden", sagt Gerald Daringer, der Leiter des ÖSV-Damen-Teams. Schließlich springt man sich 2009 in Liberec die erste weibliche Weltmeisterin aus, womit auch schon die wichtigste olympische Bedingung erfüllt wäre.

Unter Daringers Fittichen trainieren mit Daniela Iraschko (23), Tanja Drage (19) und Jacqueline Seifriedsberger (15) drei Kader-Athletinnen, insgesamt stehen dem 30-jährigen Coach ein Pool von fünfzehn Springerinnen und ein Budget von etwas mehr als 30.000 Euro pro Saison zur Verfügung. Mit dem Geld wird auch ein Continental-Cup bestritten, der 2006/07 in sechzehn Orten auf drei Kontinenten Station macht. Daringer: "Der Sport wird internationaler." Von den 50 Athletinnen pro Springen aus dreizehn Nationen stechen Damen aus Norwegen, Deutschland, den USA und Österreich hervor. Im Weltcup wurden heuer wegen Schneemangels vier Bewerbe in Norwegen abgesagt, die Saison beginnt erst im Jänner in Slowenien.

Iraschko, die 2003 am Kulm als erste Dame exakt 200 Meter weit flog und damit noch immer den Weltrekord hält, führt das ÖSV-Team an, die Sommer-Tournee schloss sie auf dem dritten Gesamtrang ab. "Eigentlich ist's arg, dass das IOC so ein Theater macht", sagt sie. "Es ist ein interessanter Sport mit hübschen, mutigen Frauen. Den Vergleich mit den olympischen Bobfahrerinnen könnten wir sportlich locker aufnehmen."

Die von der FIS geäußerte Befürchtung, dass es Skispringerinnen "bei der Landung die Gebärmutter zerreißt", findet Iraschko lächerlich, ebenso die Regel, wonach Damen in Wettkämpfen nicht über 120-m-Bakken gehen dürfen. "Spätestens bei Olympia 2014 sind wir hoffentlich fix dabei." (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe 22.12.2006)