Beim Stichwort "Wunderbaum" denkt der motorisierte Mitteleuropäer zunächst eher nicht an den biologischen Wunderbaum, die Pflanze, aus der das Rizinusöl gewonnen wird, noch weniger an die holländische Schauspielergruppe gleichen Namens. Nein, man hat ein handgroßes Stück Pappe in Form eines stilisierten Christbaums vor Auge, das vom Rückspiegel des Autos baumelt. Und stark riecht. Nach Vanille. Oder Apfel. Oder auch nach irgendetwas anderem.

Zielgruppe Raucher

Hauptsache ist: Der Wunderbaum-Geruch überdeckt kalten Rauch. "Raucher sind eine wichtige Zielgruppe für uns, denn Raucher rauchen im Auto, wollen aber nicht, dass es danach riecht", sagt Peter Karios, dessen Halleiner Familienunternehmen seit 1966 Millionen "Wunder-Bäume" aus der Schweiz nach Österreich importiert hat.

Der Wunderbaum wurde 1952 vom Schweizer Kaufmann Julius Sähmann in den USA erfunden. Am Anfang gab es drei Düfte, die die Namen "rot", "grün" und "blau" trugen. Heute sind 40 bis 50 Düfte zu haben, wobei ein bis zwei pro Jahr aufgelassen bzw. neu aufgelegt werden, wie zuletzt "Ice Blue". Seit Jahren am besten verkauft sich hier zu Lande aber der gelbe Baum. "Vanille" eben.

Millionengeschäft

Wichtigste Outlets für Wunderbäume sind Tankstellen, Auto- und Baumärkte, Großabnehmer- und Supermärkte. Laut Karios werden weltweit jährlich 400 bis 500 Mio. Stück Riechstoffverbreiter abgesetzt.

Seit den 60er-Jahren ist übrigens eine marilyneske Blondine mit ausladendem Dekolleté auf den Werbeständern abgebildet. Die Firma Wunderbaum nennt sie "Betty", die Dame, die seinerzeit Modell gestanden hatte, lebt angeblich noch. Auf wunder-baum.de wird erklärt: "Ihren amerikanischen Ursprung nicht verleugnend, steht sie für alles was Männer bewegt." So war das also früher ... (szem, AUTOMOBIL, 22.12.2006)