Wachstum übertraf heuer die Prognosen

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Wien - Es ist das Berufsrisiko aller Analysten, bei Prognosen daneben zu liegen. Da ist es ein Trost, wenn sich die Dinge in Wirklichkeit besser entwickeln als von den Forschern geweissagt. Einen solchen Grund zur Freude dürfte die Konjunkturentwicklung im Jahr 2006 geliefert haben: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs den Instituten geradezu davon, und diese setzten in jeder neuen Analyse die Prognosezahlen herauf.

Die Österreichische Nationalbank (OeNB) erwartete im Dezember 2005 ein Wachstum von 2,3 Prozent in diesem Jahr. In der vor zwei Wochen veröffentlichten OeNB-Prognose ist dieser Wert um ein sattes Prozent auf 3,3 Prozent gestiegen.

Kaum bescheidener die Werte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo): Hier geht man - wie auch beim Institut für Höhere Studien (IHS) - mittlerweile von 3,2 Prozent Wachstum aus. Ende 2005 hatten Wifo und IHS nur 2,4 beziehungsweise 2,3 Prozent prognostiziert.

Mehr Bescheidenheit für 2007

Die OECD (Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit) schließlich hat ihre Wachstumsprognose für heuer von 2,5 auf 3,2 Prozent heraufgesetzt. Für das kommende Jahr lassen alle Institute wieder mehr Bescheidenheit walten und gehen von 2,3 (OECD), 2,6 (IHS), 2,7 (Wifo) beziehungsweise 2,8 Prozent (OeNB) Wachstum aus.

Wie in jedem Jahr gilt der Ölpreis den Experten auch nächstes Jahr als Konjunkturrisiko. Dazu kommt gleich mit dem 1. Jänner die von 16 auf 19 Prozent erhöhte Mehrwertsteuer in Deutschland, wo dann möglicherweise die Kauflust wieder erlischt - weniger Exporte aus Österreich könnten die Folge sein. Und nicht zuletzt betrachten die Experten die lahmende Konjunktur in den USA mit Sorge.

Morgen lesen Sie: Warum die Prognosen für den Ölpreis 2007 deutlich pessimistischer sind. (Daniel Kastner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.12.2006)