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Gasprom wird vorgeworfen, verlängerter Arm des Kremls zu sein. Es wird angenommen, dass eigentlich Russlands Präsident Wladimir Putin am Gashahn dreht.

Foto: AP/Reuters/Montage Beigelbeck
Auch im russischen Gasgeschäft ist am 1. Jänner Zahltag. Der Gasmonopolist Gasprom sucht seinen Gewinn im Ausland und diktiert seinen Abnehmerländern neue Preise. Vor allem die GUS-Staaten müssen tiefer in die Geldbörse greifen oder Anteile an ihren nationalen Verteilernetzen abgeben.

Kein billiger Jakob mehr

Der russische Gasmonopolist, der im Inland auf Anweisung des Kremls das Volk bis 2008 mit billigen 49 Dollar pro Kubikmeter beruhigen muss, ist seiner Rolle des billigen Jakobs in seinen Nachbarländern überdrüssig. Die Zeit der "Politisierung unserer Verhältnisse" durch Hilfsgelder sei vorbei, meinte Gasprom-Vizechef Alexandr Medwedjew: Nun herrsche ein einheitliches Prinzip. Gasprom wurde zuletzt vorgeworfen, als verlängerter Arm des Kremls "politische Preise" zu bilden. Unabhängig davon freilich will Gasprom Geld und den fairen "Marktpreis", den es selbst mit 230 Dollar beziffert, auch in der GUS etablieren. Der spektakulärste Kampf wird mit dem engsten Bruderstaat Weißrussland, das 2007 zwei Drittel des für die GUS bestimmten (30,5 Mrd. Kubikmeter) russischen Gases kauft, geführt. Vergleichsweise wenig (1,1 Mrd. Kubikmeter, d. h. 50 Prozent des georgischen Gasverbrauchs) geht nach Georgien. Gegenüber den unbotmäßigen Kaukasiern, die zuvor noch 110 und im Vorjahr 63 Dollar zahlten, ist Russland unerbittlich und verlangt fortan 235 Dollar, den höchsten Satz in der GUS. Fieberhaft sucht Georgien nach Alternativquellen. Aserbaidschan selbst bezahlte heuer mit 110 Dollar fast doppelt so viel wie 2005 für russisches Gas. Nun will Gasprom auch 235 Dollar, weshalb Aserbaidschan künftig nur noch 1,5 Mrd. Kubikmeter statt bisher 4,5 Mrd. Kubikmeter importiert. Insgesamt braucht das Land etwa zehn bis elf Mrd. Kubikmeter im Jahr. Fünf bis sechs Mrd. Kubikmeter produziert man selbst, demnächst zusätzlich zwei Mrd. aus der kaspischen Offshore-Förderung.

Verdaulicher Preis für Ukraine

Die Ukraine zahlt seit dem Abdrehen des Gashahns, das auch zu Engpässen in der EU führte, 230 Dollar, kaufte aber wegen der Beimischung billigen zentralasiatischen Gases (65 Dollar) heuer um 95 Dollar in Russland ein. Weil Turkmenistan auf 100 Dollar anhob, zahlt die Ukraine fortan 130 Dollar für den Gasmix aus Russland. Gasprom hatte mit mehr gedroht, den mittlerweile wieder loyalen Ukrainern aber einen verdaulichen Preis gemacht. Russland will auch in der Ukraine ins Verteilernetz. Die 2002 darüber gestarteten Gespräche stocken. Am günstigsten fährt Russlands Verbündeter Armenien, das über den Transit durch Georgien versorgt wird. Im Unterschied zu Georgien hat es Gasprom die meisten Aktiva im Land überlassen. Dafür wurde der Gaspreis auf 110 Dollar bis 2009 fixiert. Am Dienstag hat sich Gasprom mit Moldau geeinigt. 2007 kauft das Land um 170 Dollar, bis 2011 wird auf westeuropäisches Preisniveau angehoben. Seit dem Sommer zahlte Moldau, das heuer 2,5 Mrd. Kubikmeter importierte, schon 160 Dollar, im letzten Jahr noch 80. Grundsätzlich kam man überein, dass Gasprom seinen jetzigen Mehrheitsanteil an der Gastransportgesellschaft „Moldovagas“ und an Gasverteilerfirmen im Land weiter erhöht, wodurch Moldau seine Gasschulden tilgt.

Transport ins ferne Ausland

Nicht in die GUS, sondern ins ferne Ausland wird Gasprom nächstes Jahr insgesamt 157,8 Mrd. Kubikmeter exportieren und dafür 46 Mrd. Dollar kassieren. Europa zahlt dafür künftig 293 Dollar statt bisher 260 bis 270 Dollar für 1000 Kubikmeter. Mit einer Erhöhung auf 210 bis 260 Dollar müssen auch die Balten, die bisher weniger als 200 zahlten, rechnen. Litauen, das bisher 156 Dollar entrichtete, rechnet mit der unteren Grenze, die Esten mit der oberen. Geeinigt hat sich Gasprom mit EU-Neuling Bulgarien, Abschied vom Barterhandel zu nehmen. Gasprom wird für den Transit nach Griechenland, Mazedonien und in die Türkei zahlen. Bulgarien, das bisher mit einem Gaspreis von 170 Dollar gegen verrechnete, wird um 20 Prozent mehr für Gas bezahlen. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.12.2006)