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Die ÖSV-Damen (Hosp, Zettel, Schild - v.li) räumen weiter ab.

Foto: REUTERS/Calle Toernstroem

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Zettel geschlaucht und happy.

Foto: APA/ Techt
Semmering - Was dem Österreicher und seine Österreicherin, auch oder gerade jenen aus dem Osten, am Skisport ganz besonders taugt, ist vor allem eins: dass die Madln und die Burschen so - Wie soll man sagen: natürlich? - natürlich sind. Oder anders: zünftig. Und deshalb, quasi: authentisch.

Auf dem Zauberberg oben ist das natürlich auch so. Denn hier hat man ja schon elendslange Erfahrung mit dieser ganz speziellen Authentizität. Immerhin haben hier schon vor hundert Jahren die Wiener Großbürger und ihre angeschlossene Bohème das Unverdorbene gesucht, das Gesunde, dem Wald Entsprungene, das sozusagen im umfassenden Sinn Ozonreiche.

Damals wie heute freilich waren die Dinge nur selten so, wie sie jenen scheinen, die eben den Schein sehen wollen. Schon damals gab es - akklamiert von Peter Altenberg - so was wie ein "Eventzelt", so was wie die "Zellberger Buam" und ihre geradezu nach Fichten duftende Fröhlichkeit, die den gemeinen Flachösterreicher so verzaubern kann.

Die Stimmung

Aus genau dem Grund fahren sie ja hinauf, so wie die Anneliese und ihr Herbert, weil es ist "wegen der Stimmung", sonst "kennt man das eh aus dem Fernsehn". Aber Fernsehn und Wirklichkeit sind eben zwei Paar Schuhe. Es ist ganz was anderes, wenn man friert. Alles ist zwar ganz genau so wie im Fernsehen, aber immerhin: Man friert.

Aber Stimmung exzellent. Fanclubs von da und dort sowieso. Ganz Göstling hat sich mit Mützen der Niederösterreichischen Nachrichten geschmückt, dass sie einander unter den offiziell 11.000 Erschienenen nicht verlieren und die NÖN gleich weiß, wohin sie ihren Fotoapparat halten soll. Die Kronen Zeitung betreibt eine ganze Bühne und den ganzen Rest der ORF. Das ist der, ja, aus dem Fernsehen.

Wegen der Stimmung gibt's - neben all dem anderen, eigentlich Stimmungvollen, natürlich - auch Österreichfähnchen. Die sind im Fall des Falles zu schwenken. Und wenn sie geschwenkt werden, schwenkt auch ordentlich die Gösser-Rückseite ins Bild.

Gösser-Berg

Und so war der Semmering auch auf der niederösterreichischen Seite voll mit steirischem Bier. Immerhin gewann die Kathrin Zettel den Riesentorlauf, was ihren Landeshauptmann Erwin Pröll - Halloerwin heißt er hier - ordentlich in seinem Landesvatertum bestärkt.

Hinter Zettel zwei weitere Österreicherinnen: Nicole Hosp und Marlies Schild. Elftausend also unter den ersten Drei, das hat der Zauberberg noch nicht gesehen. Im Eventzelt geht's schon zünftig her, auch die "Zellberg Buam" haben ja nur eine kurze Pause eingelegt. Ab 15 Uhr fiedeln sie schon wieder auf ihrer "Zillertaler Geign", und zwar "landlerisch" und "mit an Rucksack voller Scheid".

Die haben auch die Aschenbecher. Die stammen aus A-9555 Glanegg. Und einst beherbergten sie "Turkey in own Juice". Wort drauf: Truthahn im eigenen Saft. So was erfindet man nicht, selbst dort nicht, wo es "Erzherzog Johann Weine" zu kaufen gibt. Kathrin Zettel sagt: "Es ist unbeschreiblich. Ein Wahnsinn." Der junge Mann mit der violetten Milka-Mütze nickt, bevor er sich zu seinen Freunden stellt, die alle gemeinsam "Z'samm, z'samm, z'samm" rufen. Und so, wie's ausschaut, werden sie das morgen beim Nachtslalom auch (noch) tun. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 29. Dezember 2006, Wolfgang Weisgram)