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Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images
Eigentlich fährt er ja quasi auf Porsche Cayenne und VW Touareg ab, aber Skispringer Gregor Schlierenzauer wird auch den von den Organisatoren als Preis ausgelobten Nissan-Geländewagen nehmen, sollte er am 7. Jänner in Bischofshofen als Gesamtsieger aus der 55. Vierschanzentournee hervorgehen.

Dass er ihn mangels Führerschein nicht selbst heim nach Fulpmes im Stubaital fahren könnte, ist ein altersbedingter Schönheitsfehler. "Schlieri", wie sie ihn wenig überraschend nennen, wird an diesem Tag schließlich erst 17 Jahre alt. 1999 stand er erstmals am Ablauf einer Sprungschanze, ein Freund hatte ihn zur Anlage des SV Natters mitgenommen. Nach den ersten Hüpfern schon sei ihm klar gewesen, dass er doch nicht Fußballer werden wollte. Skispringer wäre auch lässig, erfolgreicher Skispringer, vielleicht der Beste von allen, noch lässiger. Und weil Gregor Schlierenzauer neben einem ausgeprägten Bewegungstalent und einem laut dem nordischen Sportdirektor Anton Innauer "altersgemäßen Körperbau" auch noch die Gabe besitzt, ein einmal gestecktes Ziel nicht mehr aus den Augen zu verlieren, hat er das mit dem erfolgreichen Skispringer flott geschafft. Vom Halbzeit-Führenden der Tournee kann durchaus auch behauptet werden, dass er der derzeit beste Springer im Zirkus ist.

Natürlich hätten Talent, Magerkeit (inoffizielle 58 kg bei 1,77 m) und Sturheit wenig genützt, wäre Schlierenzauer nicht im goldrichtigen Umfeld aufgewachsen. Vater Paul war hoffnungsfroher Skirennläufer, Jugendstaatsmeister in Riesentorlauf und Slalom gar, ehe eine Verletzung die Karriere beendete. Er wurde Versicherungskaufmann, Funktionär beim SV Natters, Begleiter seines Sohnes auf dem Weg durch die Instanzen.

Nach Gewinn von Einzel- und Mannschaftsgold bei der Junioren-WM im Februar 2006 in Kranj bedurfte die Schlierenzauer'sche Karriere auch der Begleitung durch einen Manager. Da traf es sich, dass der Bruder von Mutter Angelika Markus Prock ist, der ehemalige Weltklasse-Rodler. Der kümmert sich nicht nur um die Vermarktung (Red Bull!), sondern geleitet den Neffen auch durch den erfolgsbedingten Medienrummel.

Dass Schlierenzauer ungemein abgeklärt wirkt und die im Gewerbe üblichen Phrasen ("Ich denke von Sprung zu Sprung") bereits beherrscht, ist Procks, nun ja, Verdienst. Dass Privates, wie Schlierenzauers angeborene Taubheit auf dem linken Ohr oder seine schulischen Probleme vor dem Wechsel vom Gymnasium in die Skihandelsschule zu Stams, in die Öffentlichkeit gelangt, ist wohl auch aus Procks Sicht der zu bezahlende Preis für den frühen Ruhm. Dass der Teenager gern kocht, pokert, Billard spielt und auch schon "ein, zwei Liebesbriefe" erhalten hat, war ja auch nicht zu verheimlichen. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 4. Jänner 2007 Kommentar der STANDARD, von Sigi Lützow)