London/Madrid/Berlin/Paris - Internationale Tageszeitungen beschäftigen sich am Freitag mit dem Machtwechsel im US-Kongress, dessen beide Kammern erstmals seit zwölf Jahren wieder von den oppositionellen Demokraten kontrolliert werden.

"The Guardian" (London):

"Nach zwölf Jahren in der Opposition gibt es für die Demokraten viel zu tun. Sie tun gut daran, Maßnahmen, die das Leben von Millionen Amerikanern verbessern werden, schnell durchzubringen. Dazu gehört zum Beispiel die erstmalige Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns seit 1997 oder ein Rabatt auf billigere Medikamente. Sie sollten sich aber auch das Beispiel des jüngsten großen Machtwechsels im Kongress vor Augen führen - die Wahl 1994, die die Republikaner an die Mehrheit brachte, die dann ihre Energie in abenteuerlichen Schlachten gegen das Weiße Haus von Bill Clinton verschwendeten. Die Demokraten können es sich nicht leisten, solche Fehler zu wiederholen, zumal der Weg zum Weißen Haus 2008 vor ihnen liegt."

"El Mundo" (Madrid):

"In den USA hat eine neue politische Etappe begonnen. Die Demokraten übernahmen in einer entscheidenden Phase für die Präsidentenwahl 2008 die Kontrolle im Kongress. Sie sorgten sogleich für frischen Wind und wählten mit Nancy Pelosi erstmals in der US-Geschichte eine Frau zur Präsidentin des Abgeordnetenhauses. Die Demokraten beschränkten sich nicht darauf, von US-Präsident George W. Bush eine neue Strategie im Irak zu verlangen, sondern starteten eine Serie neuer politischer Initiativen. Nun bleibt abzuwarten, wie Bush darauf reagiert. Er könnte geneigt sein, bei seiner Linie zu bleiben. Denn er ist in der Position einer 'lahmen Ente', weil er bei den Wahlen nicht mehr kandidieren darf."

"Süddeutsche Zeitung" (München):

"Jetzt regiert die neue Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat, und die Demokraten setzen sogar die richtigen Themen, Ethik, Anstand, Korruptionsbekämpfung: Die Exzesse der republikanischen Jahre werden jetzt gestoppt. Haushaltsdefizit, Wahlkreisgeschenke, dunkle Ausgabengesetze: Der Präsident muss wieder um sein Geld kämpfen und gibt sich plötzlich als Sparkommissar." (APA/dpa)