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Präsident Putin nach dem Gottesdienst.

Foto: AP /Misha Japaridze
Moskau/Belgrad/Wien/Istanbul - Die Christen orthodoxen Glaubens in Serbien und Russland haben am Sonntag das Weihnachtsfest gefeiert. In seiner Weihnachtsbotschaft rief der russisch-orthodoxe Patriarch Alexi II. zum Frieden im Nahen Osten auf. Die tragische Entwicklung im Heiligen Land rufe großen Schmerz in den Herzen aller Gläubigen hervor, erklärte er am Samstag in Moskau. Der serbisch-orthodoxe Patriarch Pavle rief zur "Versöhnung" auf und zur "Bewältigung aller sinnlosen Teilungen" in Serbien. In Wien fand unterdessen zum ersten Mal eine Große Wasserweihe der orthodoxen Kirche statt.

Der russische Präsident Wladimir Putin nahm am Sonntag an einem Gottesdienst im Kloster Neu-Jerusalem in Istra bei Moskau teil. Im Fernsehen wurde gezeigt, wie Putin sich bekreuzigte und eine Kerze anzündete. Die Feiertage vereinten Millionen Menschen auf der Basis traditioneller moralischer Werte und stärkten die moralischen Prinzipien in der Gesellschaft, hieß es in einer vom Kreml veröffentlichten Weihnachtsbotschaft Putins an seine russischen Mitbürger.

"Glaubensheimat"

Alexi II. begrüßte die Stärkung der russisch-orthodoxen Kirche nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991. "Immer mehr Menschen kehren zu ihrer Glaubensheimat zurück", sagte der Patriarch. "Millionen Menschen lesen geistliche Literatur und nehmen an kirchlichen Aktivitäten teil." Auch die in der Sowjetzeit abgespaltene Auslandskirche der Russisch-Orthodoxen soll im Mai wieder mit ihrer Basis vereinigt werden. Die Einheit werde wieder hergestellt, würdigte Alexi den geplanten Schritt.

Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche rief die Einwohner seines Landes auf, interne Spaltungen zu überwinden und deutete erneut an, dass der von der UNO verwaltete Kosovo Teil Serbiens bleiben müsse. Er forderte am Sonntag die Kosovo-Serben sowie alle Flüchtlinge und Vertriebenen auf, "bis zum Ende" auszuharren. "Ich bin tief überzeugt, dass die Zeit kommen wird, in der sich die Gewalttäter schämen werden", hob er hervor. Die Kritik des Patriarchen galt auch der niedrigen Geburtenrate in Serbien und der hohen Zahl von Abtreibungen.

Wasserweihe

Zum ersten Mal fand am Donaukanal bei der Schwedenbrücke in Wien eine Große Wasserweihe statt. Der griechisch-orthodoxe "Metropolit von Austria" und Exarch des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel für Mitteleuropa, Erzbischof Michael Staikos, segnete am Samstag vor zahlreichen griechischen, rumänischen und bulgarischen Gläubigen den Fluss, nachdem er in der Dreifaltigkeitskathedrale am Fleischmarkt die Liturgie zum Fest der Erscheinung des Herrn zelebriert hatte. Der Metropolit tauchte an der Anlegestelle des "Twin City Liners" (Fährverbindung Wien-Preßburg) drei Mal das an einem weiß-blauen Band befestigte Kreuz ins Donauwasser und rief den Segen des Allmächtigen auf die Stadt und das Land herab. Staikos verwies zudem auf den mit Jahresbeginn wirksam gewordenen Beitritt der überwiegend orthodoxen Länder Rumänien und Bulgarien zur EU, der "eine echte kulturelle Bereicherung für das neue Europa" bedeute.

Epiphaniefest

Vor etwa dreihundert Gläubigen nahm auch der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel am Samstag am Goldenen Horn in Istanbul die orthodoxe Wasserweihe zum Epiphaniefest vor. Das Oberhaupt der Weltorthodoxie warf das goldene Kreuz in den Seitenarm des Bosporus. Drei Männer sprangen traditionsgemäß in das Wasser; dem 27 Jahre alten Mario Tarinas, einem Istanbuler Griechen, gelang es unter dem Applaus der Anwesenden, das Kruzifix zu bergen.

Die seit dem vierten Jahrhundert bezeugte Zeremonie zur Erinnerung an die Taufe Christi im Jordan symbolisiert die Weihe der gesamten Schöpfung. In der heutigen Zeit soll das Ritual auch auf die Verpflichtung hinweisen, sich für den Schutz der Umwelt einzusetzen. Die Weihehandlung des Patriarchen fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen der türkischen Polizei statt, nachdem es in den vergangenen Jahren zu verschiedenen Angriffen und Störungen durch islamistische und ultranationalistische türkische Extremisten gekommen war. Die kleine christliche Minderheit in der Türkei klagt über Diskriminierung und erhofft sich von einem angestrebten EU-Beitritt des Landes eine Verbesserung ihrer Situation.

Priester getötet

Zu einer grausamen Gewalttat kam es in Russland. Ausgerechnet am orthodoxen Heiligen Abend töteten Kriminelle einen Priester, raubten seine Kirche aus und steckten sie in Brand. Die Leiche des 40-Jährigen sei am Samstagabend gefunden worden, nachdem das Feuer in der Kirche in einem Dorf nahe des Urals gelöscht worden sei, meldete die Nachrichtenagentur Interfax am Sonntag unter Berufung auf die Polizei. 21 Ikonen, einige von ihnen mehr als 100 Jahre alt, seien gestohlen worden. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen. (APA/AP)