Wien - Vorsorgen und versichern ist bei den Österreichern sehr beliebt. Die Angebote der Versicherungen - hohe Renditen samt Garantien - verlocken zum Vertragsabschluss. Walter Schuster, Vertriebsleiter vom britischen Versicherer Standard Life, sieht in diesen Rendite-Versprechungen und Garantien auch Unehrlichkeiten. Denn viele Versicherer würden die Einnahmen vor allem in festverzinslichen Papieren anlegen, die keine Performancesprünge ermöglichen, wie sie etwa auf dem Kapitalmarkt möglich sind.

Damit stelle sich die Frage, wie diese hohe Rendite garantiert wird. "Ein Kunde muss den Angaben auf dem Vertrag vertrauen können", sagt Schuster zum STANDARD und spielt damit auch auf die Kostenstruktur von Versicherungen an, die "noch immer nicht transparent sind". Schuster: "Wer herausfinden möchte, was seine Lebensversicherung kostet, hat es nicht leicht."

Transparenz

"Ehrlich" seien nur Fondspolizzen, also fondsgebundene Lebensversicherungen, da "die Kosten der Fonds genau ausgewiesen sind".

Durch das "matchen" der Versicherungen über die Rendite "werden sicher noch mehr Kunden ihren Vertrag stornieren und zu einer anderen Versicherung wechseln, die bessere Konditionen verspricht", glaubt Schuster. Wer seine Lebensversicherung vorzeitig kündigt, der darf ab heuer aufgrund der neuen Kostenaufteilung mit höheren Auszahlungen rechnen. Bisher sind die Abwicklungs- und Verwaltungskosten sowie Vermittlerprovisionen zu Beginn der Laufzeit angefallen. Hat ein Kunde seinen Vertrag nach wenigen Jahren gekündigt, war die Auszahlung mager.

Um das zu ändern, gilt jetzt, dass die Kosten auf die ersten fünf Jahre verteilt werden, damit bei einem Storno mehr Geld an den Kunden ausgezahlt werden kann. Dieser Kostenaufteilung von fünf Jahren kann Schuster nicht viel abgewinnen: "Wenn man denen, die in den ersten fünf Jahren kündigen, mehr auszahlen muss, geht das zulasten jener, die vertragstreu sind."

Garantie nervt

Obwohl Schuster fondsgebundene den klassischen Lebensversicherungen vorzieht, stört ihn in diesem Bereich die Kapitalgarantie. "Bei einer Laufzeit von mehr als zehn Jahren ist es fast nicht möglich, am Ende keinen Mehrertrag zu lukrieren." Eine Garantie auf das Kapital koste jedoch durch die Jahre einiges an Performance. Und auch das sollte dem Kunden mitgeteilt werden, bevor er sich für ein Garantieprodukt entscheidet. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.1.2007)

Wegen der Langfristigkeit von Lebensversicherungen ist Vertrauen in die Versicherung und ihr Produkt wichtig. Mit der damit verbundenen Transparenz hapert es aber. Foto: AP