In Turkmenistan sind nach dem Tod von Diktator Nijasow dessen Gefolgsleute an der Macht. Der turkmenische Oppositionsführer Nurmuchammed Hanamow sprach mit Markus Bernath über die Lage im Land nach dem Tod des Diktators Saparmurat Nijasow.

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STANDARD: Der Kandidat der Opposition im Exil hat es nicht auf die Liste für die Wahlen am 11. Februar geschafft. Haben Sie wirklich geglaubt, der „Volksrat“ würde einen Oppositionspolitiker akzeptieren?

Hanamow: Ehrlich gesagt, nein. Wir wollten aber diese Chance nutzen. Hätten sie Khudaiberdy Orasows Kandidatur angenommen, hätte es bedeutet, dass sie die Ära Nijasow hinter sich lassen wollten und offen für demokratische Wahlen wären. Das Gegenteil ist der Fall. Der „Volksrat“ hat zudem in aller Eile ein Gesetz erlassen: Wer sich um die Präsidentschaft bewirbt, muss turkmenischer Staatsbürger sein und die vergangenen zehn Jahre im Land gelebt haben. Das heißt also, die Opposition ist von den Wahlen ausgeschlossen, denn alle ihre aktiven Mitglieder mussten Turkmenistan verlassen.

STANDARD: Wer regiert jetzt ?

Hanamow: Offiziell ist Gurbanguli Berdymuchammedow, der bisherige Vizepremier, der amtierende Präsident. Doch hinter ihm steht Akmurat Redschepow, der Chef der Präsidentengarde. Dieser Mann ist von Nijasow eingesetzt worden, um alle Schaltstellen der Macht zu kontrollieren: das Verteidigungsministerium, die Sicherheitsdienste, das Innenministerium. Seine Aufgabe war und ist es, jeden Aufruhr im Land im Keim zu ersticken.

STANDARD: Dann ist die Machtverteilung in Aschgabat praktisch schon entschieden?

Hanamow: Die Männer des Regimes haben voreinander Angst, und sie haben Angst vor einem Aufstand im Land. Vergangene Woche wurden allein an einem Tag an die 120 Menschen innerhalb von sechs Stunden verhaftet, weil sie als mögliche Dissidenten verdächtigt wurden.

STANDARD: Wie viel Unterstützung hat die Opposition?

Hanamow: Opposition ist etwas Illegales in Turkmenistan. Unsere Partei hat etwa 700 Funktionäre im Land, die trotz dieser sehr großen Schwierigkeiten verdeckt arbeiten.

STANDARD: Wie lange kann sich der Kult um Nijasow halten?

Hanamow: Seit der Unabhängigkeit ist eine Generation herangewachsen, die mit Nijasows „Ruchnama“, seinem „Buch der Seele“, gefüttert wurde, statt eine Bildung zu erhalten. Ein Staatschef, der Monate nach sich selbst und seiner Mutter umbenannte und Goldzähne oder Theateraufführungen verbot, ist ja nicht normal. Zu Beginn werden die neuen Machthaber Nijasows Ideologie benutzen, um die Menschen in Angst zu halten. Doch Nijasow, der die Furcht verkörperte, ist jetzt tot. Die Menschen in Turkmenistan werden aufstehen, da bin ich mir absolut sicher. Und wir arbeiten daran. (DER STANDARD, Printausgabe, 9. Jänner 2007)