Rom - In Bologna ist ein offener Konflikt zwischen dem neuen Intendanten des Opernhauses von Bologna, Mario Tutino, und den Musikern ausgebrochen. Die Gewerkschaften der Orchestermitglieder traten in den Streik, um Gehaltserhöhungen zu verlangen. Aus Protest gegen den Streik beschloss Intendant Tutino, dass die am Dienstag- und Mittwochabend geplante "Boheme"-Aufführung nur in Begleitung eines Klaviers stattfinden soll. Das Publikum kann entscheiden, ob es trotzdem die Vorstellung sehen, oder ob es das Geld der Karten zurückhaben will.

"Die Gewerkschaften akzeptieren keine Verhandlungen. Ich will aber jene Künstler berücksichtigen, die für die Oper gearbeitet haben. In einer für die italienischen Opernhäuser schwierige Phase sollte Verantwortungsbewusstsein und Ausgewogenheit siegen", betonte Tutino in einer Presseaussendung.

Tradition des Protests

Tutinos Haltung wurde vom Bürgermeister von Bologna, dem Ex-Gewerkschaftschef Sergio Cofferati, begrüßt. "Ich bin mit dem Protest des Orchesters nicht einverstanden. Man muss eine Lösung finden, aber ein Streik ist nicht der richtige Weg", meinte Cofferati.

Proteste der Orchester sind in Italien keine Neuigkeit. Um dem Mailänder Opernpublikum trotz eines Orchester-Streiks Verdis "La Traviata" zu präsentieren, hatte Stardirigent Riccardo Muti 1995 zur Selbsthilfe gegriffen. Die Gäste im "La Scala"-Opernhaus reagierten mit tosendem Applaus, als Muti die Aufführung selbst am Flügel begleitete. (APA)