Der Mann ist seinen Gefühlen über Schmerzgrenzen hinweg treu geblieben. Er hat seine Exfreundin über alle Maßen geliebt. "Absolut und kompromisslos", wie sie selbst als Zeugin bestätigt. Das hat ihr auch mächtig imponiert - am Anfang. "Er hat alles getan, was ich wollte", sagt sie. Nur eines nicht: Er hat nicht aufgehört. Er hat sich nicht damit abgefunden, dass die Beziehung nach einem Jahr zu Ende war, weil die junge Frau sie einfach nicht mehr wollte, weil sie den maßlos Liebenden nicht mehr ertrug.

Der frühere Pressesprecher wird vom Vorwurf "Stalking" freigesprochen. Für einen Schuldspruch erweist sich der neue Paragraf als zu jung. Die "beharrliche Verfolgung" und eine "unzumutbare Beeinträchtigung der Lebensführung" des Opfers waren, wenn, dann vor dem 1. Juli 2006 gegeben, noch bevor das Gesetz in Kraft trat. So bleiben dem Staatsanwalt nur ein oder zwei nicht gerade gründlich hinterfragte Ohrfeigen über. Der Richterin genügen sie für eine Verurteilung wegen Körperverletzung. (6000 Euro Geldstrafe.) Der erboste Verteidiger spricht von einem "unfairen Verfahren" und meldet Berufung an.

Juristisch schwierig

"Stalking" - das war die Leistung der Justizministerin Karin Gastinger, mit diesem Gesetz solle man ihren Namen verbinden, wünschte sie sich zum Abschied. Schon bei den ersten Fällen vor Gericht sieht man, wie juristisch schwierig es ist, illegale Verfolgung von quälenden Versuchen des Zusammenraufens zu unterscheiden.

Im konkreten Fall gab es immer wieder Trennungen und Versöhnungen. Für die Akademikerin war die Beziehung im März 2006 endgültig gelaufen. Da der Mann daraufhin mit Selbstmord drohte, ließ sie sich zu weiteren Treffen überreden. So klammerte er sich an die Hoffnung, die Frau doch noch zurückerobern zu können und erhöhte den Druck: Er suchte Eltern und Freundinnen seiner Geliebten auf, schickte ihr Unmengen von E-Mails und SMS und lauerte ihr auf. Einmal ließ sie ihn noch zu sich, zum Frühstück. "Du weißt aber, dass es aus ist", warnte sie. - Nein, davon wollte er nichts wissen. "Es ist schön, wenn man Angst hat, gell?", soll er gefragt haben. "Warum haben Sie ihn nicht einfach rausgeworfen?" , fragt der Verteidiger. "Sie sind vielleicht ein Scherzbold", erwidert die weinende Frau: "Der Mann war durchgeknallt." (DER STANDARD; Printausgabe, 10.1.2007)