Berlin - Der deutsche Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die jüngste Debatte um einen Ausstieg aus dem Atomausstieg mit Blick auf die künftige Energiestrategie Deutschlands als nicht sinnvoll bezeichnet. Es gebe derzeit im Berliner Bundestag keine Mehrheit für eine Änderung des Atomgesetzes, sagte Gabriel am Mittwoch im ARD Morgenmagazin.

Zum Stopp der russischen Öl-Lieferungen über Weißrussland nach Westeuropa sagte Gabriel, Öl und Atomstrom hätten "praktisch gar nichts miteinander zu tun". Deutschland produziere mit Öl so gut wie keinen Strom. Gabriel sprach sich dagegen für eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien aus. Außerdem müsse die Energie-Effizienz etwa durch den Bau sparsamer Autos gesteigert werden.

EU präsentiert Energiestrategie

Gabriel sagte weiter, es gebe auch in der EU eine "geteilte Auffassung" zur Kernenergie. 17 von 27 Mitgliedstaaten hätten Ausstiegssbeschlüsse gefasst oder nutzten die Atomenergie gar nicht. Deutschland habe in dieser Hinsicht keine isolierte Position. Die EU-Kommission wollte im Lauf des Tages ihre neue Energiestrategie für Europa vorstellen.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) stellte den Atomausstieg hingegen erneut in Frage. Angesichts der Unterbrechung der Ölimporte aus Russland sei es "dringend notwendig", über eine Revision des Ausstiegs nachzudenken, sagte Glos in den ARD Tagesthemen. "Wir wollen nicht einseitig abhängig sein". Zu dem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) geforderten Energiemix "gehört auch die Kernkraft". Mit Blick auf die ablehnende Haltung des Regierungspartners SPD sagte Glos aber: "Das heißt nicht, dass ich neuen Streit anzetteln will."(APA/AFP)