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Reichster Mann im Kabinett: Schwedens Außenminister Carl Bildt.

Foto: APA/EPA/Louisa Gouliamaki
Stockholm - Wegen enger Beziehungen zu einer Firma, die in den russischen Erdgasriesen Gasprom investiert, ist Schwedens Außenminister Carl Bildt unter Beschuss geraten. Die Opposition wirft ihm Bestechlichkeit vor. Seit Montag läuft nun eine Voruntersuchung der Staatsanwaltschaft.

Beim Antritt des neuen bürgerlichen Kabinetts unter Fredrik Reinfeldt im Oktober war Bildts Rückkehr in die Politik die größte Überraschung. Zuvor hatte der ehemalige Ministerpräsident, Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina und UN-Sonderbeauftragte für den Balkan vier Jahre lang dem Aufsichtsrat der Holding Vostok Nafta angehört, die nahezu ausschließlich in Gasprom investiert.

Gasprom seinerseits ist größter Teilhaber der geplanten deutsch-russischen Erdgasleitung, die auch durch schwedische Gewässer verlaufen soll und in Schweden vor allem bei Umweltschützern stark umstritten ist. Wenn die Stockholmer Regierung in Kürze zur Trassenführung Stellung nimmt, dann, so befürchtet die Opposition, könnte sich der Außenminister eher von Gasproms denn von Schwedens Interessen leiten lassen.

Bildt weist diese Vorwürfe zurück. Formal sind seine Beziehungen zu der Investmentfirma beendet. Nach dem Verkauf seiner Aktien hatte er zu Jahresende seine Optionen bei Vostok Nafta eingelöst - mit einem satten Gewinn von 4,8 Millionen Kronen (rund 500.000 Euro). Die Staatsanwaltschaft will nun prüfen, ob es sich hierbei um einen "unangemessenen Vorteil" handelt. Bildt selbst begrüßte die Untersuchung. Er gilt mit einem Aktienbesitz von umgerechnet 2,2 Millionen Euro als reichstes Regierungsmitglied.

Fredrik Reinfeldt hat sich unterdessen demonstrativ hinter seinen Außenminister gestellt. Der Regierungschef musste sich sich bereits von zwei Kabinettsmitgliedern trennen: Nach Vorwürfen unter anderem wegen Steuer- und Abgabenhinterziehung waren Handelsministerin Maria Borelius und Kulturministerin Cecilia Stegö Chilo im Oktober kurz hintereinander nach nur wenigen Tagen Amtszeit zurückgetreten. Beide hatten Kindermädchen "schwarz" beschäftigt. Chilo hatte zudem 16 Jahre lang keine Fernsehgebühren gezahlt.

Aus demselben Grund geriet kurz danach auch Finanzminister Anders Borg unter Druck. Er hatte sowohl ein Kindermädchen als auch Putzhilfen nicht ordnungsgemäß angemeldet. Borg sprach öffentlich von einem "bedauerlichen Fehler", blieb jedoch im Amt. (Anne Rentzsch, Stockholm, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.1.2007)