Washington - Gegen den Willen von US-Präsident George W. Bush wollen die Demokraten mit ihrer neuen Mehrheit im Kongress die ethisch umstrittene Forschung an embryonalen Stammzellen fördern. Am Donnerstag wollte die Partei im Repräsentantenhaus eine Vorlage einbringen, die der US-Regierung künftig die Unterstützung dieser Forschung mit Bundesmitteln erlauben soll. Auch Abgeordnete der Republikanischen Partei von Präsident Bush unterstützen den Vorschlag. Die Initiatoren des Vorstoßes rechnen allerdings damit, dass Bush die Vorlage nach der erwarteten Zustimmung im Kongress durch ein Veto stoppen wird.

Die embryonale Stammzellenforschung gehört zu den umstrittensten gesellschaftspolitischen Themen in den USA. Ihre Gegner im konservativ-religiösen Lager argumentieren, dass diese Art der Forschung die Tötung menschlichen Lebens in Form von Embryonen nötig mache und daher strikt abzulehnen sei. Ihre Befürworter verweisen darauf, dass die Stammzellenforschung einen viel versprechenden Weg im Kampf gegen bisher unheilbare Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Krebs darstellt.

Republikaner gespalten

Bushs Republikaner sind in der Frage gespalten. Im vergangenen Jahr beschloss die Partei mit ihrer damaligen Mehrheit im Kongress eine Lockerung der Beschränkungen, die Bush 2001 verhängt hatte. Der Präsident konterte die Entscheidung seiner Parteikollegen im Kongress mit einem Veto. Es war das erste Mal, dass Bush seit seinem Amtsantritt Anfang 2001 von seiner Vetovollmacht Gebrauch gemacht hatte.

Belebt wurde die Diskussion um die Stammzellenforschung zuletzt durch eine Studie, die wenige Tage vor der Sitzung des Repräsentantenhauses veröffentlicht wurde. Demnach können Stammzellen nicht nur aus Embryonen, sondern auch aus Fruchtwasser gewonnen werden, wie US-Forscher in der Zeitschrift "Nature Biotechnology" schrieben. Forschungsgegner in den USA und auch der Vatikan würdigten die Ergebnisse der Studie als Möglichkeit für eine moralisch unbedenkliche Stammzellenforschung. Die Initiatoren der Kongress-Vorlage wiesen allerdings darauf hin, dass Stammzellen aus Fruchtwasser die embryonalen Stammzellen nicht vollständig ersetzen könnten.(APA/AFP)