Berlin - Die deutsche Bauindustrie wird nach Branchenangaben in diesem Jahr kräftiger wachsen als bisher angenommen und erstmals seit langem wieder Arbeitsplätze schaffen. Der Umsatz werde um 3,5 Prozent zulegen, teilte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) am Donnerstag in Berlin mit. Bisher hatte er ein Plus von rund einem Prozent veranschlagt. "Die deutsche Bauwirtschaft hat die konjunkturelle Trendwende geschafft", betonte der HDB.

Auftragspolster

Ihren Optimismus begründet die Bauindustrie mit den hohen Auftragsbeständen. Getrieben werde die Nachfrage vor allem vom Verarbeitenden Gewerbe. Wegen sprudelnder Steuereinnahmen dürften zudem die Investitionen der Städte und Gemeinden anziehen. Die Beschäftigung werde deshalb "leicht zulegen".

Im abgelaufenen Jahr hatte die Bauindustrie ihren Umsatz den Angaben zufolge um 6,5 Prozent gesteigert. "Das ist ein Zuwachs, den wir zuletzt zu Beginn der 90er Jahre beobachten konnten." Ursprünglich hatte der Verband ein Plus von drei bis vier Prozent vorausgesagt. Die Branche profitierte dabei neben der guten Konjunktur auch von Sondereffekten wie vorgezogenen Bauten wegen der Mehrwertsteuererhöhung. Allerdings seien zwei bis drei Prozentpunkte vom Umsatzplus auf steigende Preise zurückzuführen, hieß es.

Das Baugewerbe hat nach dem Wiedervereinigungsboom eine schwere Strukturkrise durchgemacht und seit Mitte der 90er Jahre rund die Hälfte seiner ehemals 1,4 Millionen Arbeitsplätze verloren. Seit Mai ist dem HDB zufolge ein langsamer, aber stetiger Beschäftigungsaufbau zu verzeichnen. Hatte der Verband Anfang 2006 für das Gesamtjahr noch den Verlust von 20.000 Arbeitsplätzen befürchtet, so geht er nun davon aus, dass sich die Zahl der Beschäftigten bei rund 717.000 im Jahresschnitt stabilisiert hat. (APA/Reuters)