Wien - Die österreichische Investmentfondsbranche ist 2006 weiter gewachsen. Nach dem Rekordjahr 2005 haben die 24 österreichischen Kapitalanlagegesellschaften (Innovest wurde mit Oktober 2006 als KAG konzessioniert) das gesamte Fondsvolumen um 7,53 Prozent auf 167,34 Mrd. Euro ausgeweitet, teilte die Vereinigung Österreichischer Investmentgesellschaften (VÖIG) am Donnerstag mit. Im Jahr davor hatte das Volumen um 24,6 Prozent zugelegt.

8,6 Mrd. Euro des Volumens stammen aus Anteilsschein-Absätzen und 6,9 Mrd. Euro aus Performance-Zuwachs. 3,8 Mrd. Euro wurden an die Anteilsinhaber ausgeschüttet. Das in Investmentfonds veranlagte Vermögen übersteigt damit das Sparbuchvolumen von rund 140 Mrd. Euro deutlich. Neu aufgelegt wurden im vergangenen Jahr 282 Fonds - 150 davon im institutionellen Bereich und 132 als reine Publikumsfonds. Insgesamt verwalten die 24 österreichischen Kapitalanlagegesellschaften 2.171 Wertpapierfonds, davon 1.039 reine Publikumsfonds, 431 Großanlegerfonds und 701 Spezialfonds.

Differenziertes Bild

Die Performance-Entwicklung zeigte 2006 ein differenziertes Bild. Während die auf Österreich spezialisierten Aktienfonds mit einem Plus von 30 Prozent schon das vierte Jahr in Folge eine überdurchschnittliche Wertentwicklung (2003: plus 35,7 Prozent, 2004: plus 53,3 Prozent, 2005: plus 47 Prozent) vorweisen, stagnierten die US-Aktienfonds mit einem Zuwachs von nur rund 1 Prozent (auf Euro-Basis). Sehr zufriedenstellend sei auch die Performance der europäischen Aktienfonds mit einem Anstieg um durchschnittlich 18,4 Prozent gewesen.

Von der guten Performance des österreichischen Aktienmarktes profitierten laut VÖIG besonders die für die prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge aufgelegten Fonds, da deren 40-prozentiger Aktienanteil überwiegend in österreichischen Aktien veranlagt ist. Die 17 ZVE-Fonds haben ihr Volumen im Jahresvergleich um 58 Prozent auf 365,7 Mio. Euro gesteigert.

Im festverzinslichen Bereich verloren die Dollarrentenfonds (auf Euro-Basis) 7,15 Prozent. Geringfügig negativ performten die Europäische Rentenfonds (minus 0,09 Prozent), während sich die Geldmarktfonds mit einem Plus von 2,10 Prozent positiv entwickelten.

Institutionelle Fonds

Der Anteilsabsatz von 8,6 Mrd. Euro entfiel zu zwei Drittel auf Institutionelle Fonds und zu einem Drittel auf Publikumsfonds. Bei den Fondskategorien sind nach wie vor Rentenfonds zusammen mit den gemischten Fonds Favoriten bei den Anlegern (7,9 Mrd. Euro Absatz). Trotz der mehrjährig guten Performance flossen in Aktienfonds lediglich 1,64 Mrd. Euro. Der Absatz von Fonds für Alternative Investments betrug 1,47 Mrd. Euro.

Dem nach wie vor starken Sicherheitsbedürfnis der österreichischen Retail-Kunden im besonderen Maße entsprechen dürften Garantiefonds, die vorwiegend in Aktienmärkten investieren, wobei der Kapitaleinsatz garantiert wird. Deren Volumen hat seit Anfang 2006 um 78 Prozent auf 4,43 Mrd. Euro besonders massiv zugelegt.

Einen kräftigen Zuwachs von 41,4 Prozent verbuchten im abgelaufenen Jahr auch die Immobilienfonds. Die vier heimischen Immobilieninvestmentfonds-Gesellschaften haben per Jahresultimo 2006 das Fondsvolumen um 447,3 Mio. Euro auf 1,53 Mrd. Euro gesteigert. Die durchschnittliche 1-Jahres-Performance betrug 4,78 Prozent. Mit August 2006 war die Novelle zum Immobilieninvestmentfonds-Gesetz in Kraft getreten, die es den Immo-KAGs ermöglicht, Grundstücksgesellschaften zu erwerben. Damit sei ein Hemmnis entfallen, das den Vertrieb von Immofonds entscheidend gebremst habe, so die VÖIG.

Für Klein- und Mittelbetriebe soll der Wertpapiererwerb künftig steuerlich gefördert werden. Ab 2007 besteht laut VÖIG für Einnahmen-Ausgaben-Rechner die Möglichkeit, einen Freibetrag für investierte Gewinne in Höhe von maximal 10 Prozent des Gewinnes (ohne Veräußerungs- und Übergangsgewinne) in Anspruch zu nehmen - sofern im jeweiligen Jahr unter anderem zur Deckung von Abfertigungs- und Pensionsrückstellungen geeignete Wertpapiere angeschafft werden. Österreichische Investmentfonds seien für diese Zwecke besonders geeignet, so die Fonds-Vereinigung. Eine entsprechende Gesetzesänderung sei angedacht. (APA)