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Bulgarien will das Atomkraftwerk die Wiederinbetriebnahme in Kosloduj erwirken

Foto: AP/ PETAR PETROV
Sofia - Der bulgarische Präsident Georgi Parwanow hat die Europäische Union dazu aufgerufen, einer Wiederinbetriebnahme der beim EU-Beitritt seines Landes am Jahresanfang abgeschalteten Reaktoren im Atomkraftwerk Kosloduj zuzustimmen. Bulgarien müsse die "Gegner und Skeptiker" in der EU überzeugen, dass die stillgelegten Reaktoren "kein Teil der Vergangenheit, sondern der gemeinsamen europäischen Zukunft" seien, sagte Parwanow am Donnerstag bei einer feierlichen Parlamentssitzung aus Anlass des EU-Beitritts.

Die Wiederinbetriebnahme müsse als "Teil eines gesamteuropäischen Konzepts" erfolgen, meinte Parwanow. Für seinen EU-Beitritt habe Bulgarien mit der Abschaltung der beiden 440-Megawatt-Reaktoren "den höchsten Preis" bezahlt.

Beitrittsvertrag

Bulgarien hatte unmittelbar vor seiner Aufnahme in die EU am 1. Jänner als Teil seines Beitrittsvertrages die Reaktoren sowjetischer Bauart wegen Sicherheitsbedenken vorzeitig vom Netz genommen. Damit wurden auch die Stromexporte in Nachbarländer auf dem Balkan eingestellt. Vor Parwanow hatte bereits die Regierung in Sofia angekündigt, die Wiederinbetriebnahme der beiden abgeschalteten Reaktoren in Kosloduj erwirken zu wollen. Rund 67 Prozent der Bulgaren lehnen laut Umfragen die Stilllegung ab.

Zwei weitere Blöcke sind in dem AKW nach wie vor in Betrieb und sollen dies bis 2010 bleiben. Zudem soll in Belene an der Donau ein neues Kernkraftwerk mit zwei 1.000-Megawatt-Reaktoren mit einer 60-jährigen Betriebszeit entstehen. In ihrer am gestrigen Mittwoch vorgestellten neuen Energiestrategie wirbt die EU-Kommission für die Atomenergie etwa zur Verminderung der Abhängigkeit Europas von Öl- und Gas-Importen. EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Durao Barroso will nach eigenen Worten hinsichtlich der Nuklearenergie "die Debatte stimulieren", wobei die Entscheidung dafür oder dagegen bei den einzelnen EU-Mitgliedstaaten liege, wie er betonte.

Sprecher des Umweltministers Pröll: Beitrittsvertrag gilt

Mit einem "klaren Hinweis auf die Beitrittsverträge, die als solche gelten", reagierte das Umweltministerium in Wien auf das Begehren Bulgariens, die beiden Blöcke des AKW Kosloduj wieder in Betrieb zu nehmen. "Niemand in Europa wird Verständnis haben", dass die Verträge unmittelbar nach dem Beitritt geändert würden. "Pacta sunt servanda", betonte der Sprecher von Minister Josef Pröll (V) .

Den Vorstößen aus Sofia räumte Sprecher Daniel Kapp "wenig Chancen" ein. Die neuen Energie-Strategie der EU-Kommission stelle das Beitrittsabkommen mit Bulgarien nicht in Frage, es gelte unabhängig von der Nuklearpolitik des Landes, strich er hervor. (APA)