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2004 wurde in Österreich im "Gegenwert" von 789.000 Vollzeit- Arbeitsplätzen schwarz gearbeitet.

Foto: Reuters/Kim Kyung-Hoon
Wien - Während die Schattenwirtschaft in Deutschland heuer weiter ansteigen wird, wird der Pfusch in Österreich voraussichtlich von 21,2 Mrd. Euro leicht auf 21,0 Mrd. Euro zurückgehen. Dies geht aus eine neuen Studie des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider hervor.

Die Schattenwirtschaft in Österreich sei seit dem Rekordjahr 2004, als 23,0 Mrd. Euro schwarz erwirtschaftet worden waren, wieder kontinuierlich gesunken. Ursachen für den Rückgang seien unter anderem die 2005 in Kraft getretene Steuersenkung und der Anfang 2006 eingeführte Dienstleistungsscheck gewesen. Der Anteil der Schattenwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird daher laut Schneider heuer auf 9,4 Prozent nach 9,7 Prozent im vorangegangenen Jahr zurückgehen.

Im unteren Drittel

Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit einem BIP-Anteil von 9,4 Prozent im unteren Drittel, während sich Deutschland mit einem Anteil von 14,6 Prozent im Mittelfeld befindet. Vor Österreich rangiert mit einem Anteil von 7,2 Prozent die USA, gefolgt von der Schweiz mit 8,2 Prozent und Japan mit 9,0 Prozent.

Am meisten gepfuscht wird in Südeuropa. Den größten Anteil der Schattenwirtschaft am BIP hat Griechenland mit 25,1 Prozent, vor Italien mit 22,3 Prozent, Spanien 19,3 Prozent und Portugal mit 19,2 Prozent. Über dem OECD-Schnitt von 13,9 Prozent liegen auch die Länder Dänemark (14,6 Prozent), Norwegen (15,4) und Schweden (15,6 Prozent).

709.000 potenzielle Arbeitsplätze

Trotz eines leichten Rückgangs in den vergangenen zwei Jahren ist die Zahl der so genannten "inländischen Vollzeit-Schwarzarbeiter" in Österreich seit 1995 kräftig angestiegen. Dabei handelt es sich um eine fiktive Größe, die aus den Stunden, die in der Schattenwirtschaft gearbeitet werden, berechnet wird und zeigen soll, wieviele Arbeitsplätze es gäbe.

1995 lag die Zahl dieser "Vollzeit-Schwarzarbeiter" bei 575.000, bis 2004 stieg die Zahl auf den Rekordwert von 789.000 potenziellen Arbeitsplätzen. Nach 716.000 im Jahr 2006 soll die Zahl heuer laut den Berechnungen von Schneider auf 709.000 zurückgehen.

Die - geschätzte - Anzahl der illegalen, also nur in der Schattenwirtschaft tätigen ausländischen Beschäftigten erhöhte sich im selben Zeitraum von 75.000 auf 97.000 Personen, so die Schneider-Studie.

Am meisten Pfusch am Bau

Am meisten gepfuscht wird traditionell am Bau. Auf das Baugewerbe und das Handwerk entfallen 39 Prozent oder 8,2 Mrd. Euro des gesamten Pfusch-Volumens in Österreich. Auf die Bereiche "Andere Gewerbe und Industriebetriebe" sowie Dienstleistungsbetriebe entfallen je 16 Prozent (3,4 Mrd. Euro). In sonstigen Gewerbebetrieben und haushaltsnahen Dienstleitungen wie z. B Nachhilfe, Friseur oder Babysitter werden 17 Prozent oder 3,5 Mrd. Euro erwirtschaftet

Als wichtigste und effizienteste Maßnahme im Kampf gegen den Pfusch, der in Österreich mehrheitlich als Kavaliersdelikt betrachtet wird, sei die Reduktion der Lohnnebenkosten, wofür gegebenenfalls im Gegenzug andere Steuern (z.B. Energie) erhöht werden müssten. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer wie sie in Deutschland durchgezogen wurde, sei "für das Volumen der Schattenwirtschaft kontraproduktiv", so Schneider.

Ein Rückgang der Schattenwirtschaft sei jedenfalls nur dann wohlfahrtssteigernd, wenn zumindest ein Teil dieser Schattenwirtschaftsleistungen in der offiziellen Wirtschaft erbracht werden. Werden diese "schwarzen Dienstleistungen" nicht erbracht, dann sinkt die gesamte - daher die offizielle und die schwarze - Wertschöpfung. (APA)