Wien - Der Vorschlag der neuen Regierung, sich die Studiengebühren durch gemeinnützige Arbeit wie etwa Nachhilfe für schwächere Schule zurückverdienen zu können, ist nicht nur in anderen Ländern wie Israel bereits verwirklicht. Ähnliche Tutoren-Modelle gibt es auch an einigen österreichischen Schulen - dort geben derzeit Oberstufenschüler jüngeren Kindern Nachhilfe. Allerdings werden sie dort meist höher als mit den für die Studenten vorgeschlagenen sechs Euro pro Stunde entlohnt. Von der APA befragte Direktoren können sich grundsätzlich vorstellen, auch Studenten mit Aufgaben zu betrauen.

Keine bestimmten Qualifikationen

Grundidee beim Tutorensystem: Die Nachhilfe gebenden Oberstufenschüler sind den Lehrern gut bekannt, diese kennen umgekehrt die Schwerpunkte der jeweiligen Pädagogen. Bedarf an zusätzlichen Tutoren gebe es aber durchaus, meinte etwa der Direktor des Gymnasiums/Realgymnasiums Billrothstraße in Wien-Döbling, Günter Russe, gegenüber der APA. Als Qualifikation sei nicht unbedingt ein Lehramt in dem betreffenden Fach nötig - es reiche, wenn jemand in dem Gegenstand sehr gut gewesen sei und mit Kindern umgehen könne. Umgekehrt wäre eine "aufgezwungene Geschichte" für die Motivation aber natürlich problematisch. Auch ein ständiger Wechsel der Tutoren könne ein Problem sein.

Verwaltung und Fremdsprachenhilfe

Die Schüler in der Billrothstraße erhalten für ihre Tätigkeit höchstens acht Euro, also in etwa vergleichbar viel wie für die Studenten vorgeschlagen. Neben Nachhilfe hält Russe auch andere Einsatzbereiche für möglich - etwa bestimmte Verwaltungstätigkeiten oder als Fremdsprachenassistent, was allerdings wohl nur bei Native speaker in Frage käme.

MaturantInnen "grundsätzlich befähigt"

Die Direktorin des Gymnasiums/Wirtschaftskundlichen Realgymnasiums Haizingergasse in Wien-Währing, Renate Knaus, hält Maturanten für grundsätzlich befähigt, Nachhilfestunden zu geben. Als sie aber gehört habe, dass für die Studenten nur sechs Euro pro Stunde zur Verfügung stehen, habe sie "gedacht, ich höre nicht recht". Sie hätte ein "schlechtes Gewissen", nur diese Summe anzubieten. Die Tutoren an ihrer Schule, ebenfalls Oberstufenschüler, erhielten dafür zehn Euro.

Exkursionsbegleitung

Als zusätzliches Aufgabengebiet für Studenten kann Knaus sich die Beaufsichtigung von Schülern bzw. die zusätzliche Begleitung bei Exkursionen vorstellen. Grundsätzlich spreche nichts dagegen, anstelle von Eltern damit Studenten zu betrauen.

Das Modell der Tutoren an den Schulen ist keineswegs flächendeckend: In Wien geht der Stadtschulrat davon aus, dass ca. zehn bis 15 der knapp 90 AHS ein solches haben, auch Russe hält diese Zahl für realistisch. Knaus schätzt dagegen, dass bereits rund ein Drittel der Schulen mit Tutoren arbeitet.