Nicht nur die Demokratie braucht zwecks Lebendigkeit ab und an einen Wechsel; auch das TV - Gesichter verbrauchend wie es ist - bedarf des Farben- und Personaltausches. Bis zu einem gewissen Grad ist dies ja nun der Fall, unerwarteter Weise haben allerdings auch die alten Gesichter in neuen Koalitionsfunktionen spaßmäßig überrascht.

Da muss man der neuen Regierung gar nicht 100 TV-Tage Zeit gewähren. Sie ist schon jetzt zu loben, hat sie doch alle Lustigkeitserwartungen übertroffen, sodass es angesichts der Pointenfülle gar nicht mehr nötig scheint, die Infosendungen des ORF irgendeiner Reform zu unterziehen.

Wrabez kann sich entspannen. Das Dokumentieren solcher Inhalte reichte völlig, sie hätten ihren Charme auch in jener Tiefkühlform entfaltet, die etwa das deutsche Frühstücksfernsehen jede halbe Stunde bevorzugt. Es kann natürlich auch sein, dass wir uns von dem unerschütterlichen Lächeln des neuen Kanzlers anstecken haben lassen (so massig hat der alte in all den Jahren nie gestrahlt). Aber besorgte Offiziere in der ZiB2 das Faktum kommentieren zu hören, dass sie ein Zivildiener nun befehligen soll - es wirkte so köstlich wie die Argumentation des neuen Verteidigungsministers, der die Aufregung gar nicht verstand, zumal er ja weiterhin keine Waffe in die Hand nehmen müsse.

Unübertroffen aber die Versuche des neuen Bundeskanzlers, seinen etwas zornigen steirischen Genossen während dessen Pressekonferenz zwecks personeller Entscheidungen telefonisch zu erreichen. TV-Geschichte! Im Vergleich nur solide die Amtsübergabe von Grasser, der seinen Nachfolgern Sparschweine schenkte - das große Molterer, das viel kleinere dem gequält lachenden Matznetter. Kleinliches Finale. (toš/DER STANDARD; Printausgabe, 13./14.1.2007)