Standard: Beckham verdient bei Los Angeles Galaxy angeblich eine Million Dollar pro Woche. Wie viel war es bei Ihnen?

Herzog: Eher weniger, leider.

Standard: Ein bisserl konkreter, bitte.

Herzog: Es gab damals eine Gehaltsobergrenze, die lag bei 280.000 Dollar im Jahr. Man schließt einen Vertrag mit der Profiliga ab, wird von ihr bezahlt. Ich lag deutlich unter dieser Marke. Jetzt haben sie den so genannten Salary-Cap gelockert, ein Spieler pro Mannschaft kann mehr kassieren. Es ist wohl ein weiterer Versuch, den Fußball in den USA zu pushen.

Standard: Aber ist Beckhams Gage nicht irgendwie krank? Kann und darf ein Sportler so viel wert sein?

Herzog: Keine Ahnung, natürlich ist es völlig verrückt. Aber die Amerikaner werden sich dabei schon etwas gedacht haben, sie agieren professionell. Die machen traditionell nur Sachen, die sich wirtschaftlich auch auszahlen.

Standard: Was hat Sie damals bewogen, den Schritt in die USA zu wagen?

Herzog: Das hatte nichts mit Mut zu tun, ich wollte am Ende meiner Karriere noch neue Erfahrungen machen. Der Jürgen Klinsmann hat mich angerufen, ich sagte zu, Geld spielte keine Rolle, das habe ich zuvor in Deutschland verdient. Es ging mir darum, einfach nur wettkampfmäßig Fußball zu spielen. Mit Freude, ganz ohne Druck, weil sich für dich eh keiner interessiert. In Deutschland oder Österreich konntest du dir keine schlechten Leistungen leisten, da sind die Medien gleich über dich hergefallen.

Standard: Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt? Wie war die Zeit bei Galaxy?

Herzog: Positiv. Du bist zwei Stunden lang durch eine hässliche Gegend zum Training gefahren. Auf einmal war dort eine Palmenallee, und aus dem unendlichen Nichts wurde ein traumhaftes Paradies. So ein Gelände hat vermutlich nicht einmal Real Madrid zu bieten. Das Niveau in der Liga war nicht berauschend. Aber du musstest körperlich fit sein, darauf wurde Wert gelegt. Nach neun Monaten bekam ich halt Heimweh, mir fehlten die gewohnte Umgebung und vor allem die gewohnten Menschen.

Standard: Überrascht Sie der Wechsel von Beckham?

Herzog: Nein. Höchstens der Zeitpunkt, er ist ja erst 31 Jahre alt. Ich dachte, er will sich noch einmal in England beweisen. Aber er und seine Frau passen nach Hollywood, das musste so kommen. Beckham ist natürlich ein guter Fußballer, aber seinen Stellenwert hat er nicht unbedingt auf dem Platz erkämpft, sondern als Stilikone. Was man ihm aber nie absprechen konnte, ist seine professionelle Einstellung.

Standard: In den Siebzigern kickten Superstars wie Beckenbauer, Pele, Cruyff oder Best in den USA. Es war nur ein Aufflackern, der Fußball ist rasch wieder entschlafen. Trauen Sie Beckham zu, einen nachhaltigen Boom auszulösen?

Herzog: Da bin ich mir nicht sicher. Das Galaxy-Stadion fasst 27.000 Zuschauer, vermutlich werden jetzt so viele Abos verkauft. Aber man darf die Rolle des Fußballs nicht überschätzen, in den USA_kommt er in der Hierarchie ganz weit hinten. Dort zählen andere Sportarten. Ich bin davon überzeugt, dass Beckham ziemlich unbelästigt durch Los Angeles gehen kann. Die Popularität eines Kobe Bryant wird er nie erreichen. Aber vielleicht tut ihm die Ruhe eh ganz gut. (Mit Andreas Herzog sprach Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 13.1. 2007)