Paris – "Museen sind nicht verkäuflich" lautete der Titel einer von Le Monde Mitte Dezember veröffentlichten Petition, die die ehemalige Direktorin der Staatlichen Museen Frankreichs, Françoise Cachin, gemeinsam mit Jean Clair, dem pensionierten Direktor des Pariser Picasso-Museums, sowie dem Collège-de-France-Professor Roland Recht veröffentlichte und die inzwischen von etwa 2500 internationalen Kulturschaffenden unterzeichnet wurde.

Cachin, Clair und Recht lösten eine enorme Diskussion um die Vermietung (im Gegensatz zum üblichen Verleih) von Kunst bzw. um die Vermarktung des Namens des "Louvre" aus. Die französische Regierung hat mit den Vereinigten Arabischen Emiraten die Einrichtung eines Museums in Abu Dhabi für das Jahr 2012 ausgehandelt, das den Namen Louvre Abu Dhabi tragen soll. Die führenden französischen Museen (Louvre, Musée d’Orsay, das ethnologische Musée du Quai Branly, Versailles) werden das Abu-Dhabi-Museum, das zwanzig Jahre lang die Marke "Louvre" benützen wird, mit Werken aus ihren Sammlungen bestücken (maximal für jeweils zwei Jahre Mietzeit), den administrativen Aufbau des "Louvre Abu Dhabi" übernehmen und dafür rund 700 Millionen Euro einkassieren.

Die Polemik um dieses "kommerzielle Ausufern" der französischen Museen-Expansionspolitik begann vor einem Jahr, als die Zusammenarbeit zwischen dem Louvre und dem High Museum of Atlanta bekannt wurden. Der Louvre Atlanta wurde vom Generaldirektor des Louvre, Henri Loyrette, mit seinem amerikanischen Kollegen Michael E. Shapiro ausgehandelt und existiert seit Oktober 2006.

Im Gegenzug erhielt der Louvre eine "Schenkung" in der Höhe von 5,4 Millionen Euro, die genauso wie die Restkosten von 10,8 Millionen Euro (für Organisation, Transport, Versicherungen) durch US–Sponsoren aufgebracht werden. Außerdem stellen mehrere US-Museen dem Louvre einige Leihgaben mit amerikanischer Kunst zur Verfügung.

Die Gegner dieser musealen Kommerzpolitik fürchten auf lange Sicht einen Verzicht auf das Prinzip der Unverkäuflichkeit des staatlichen Kulturgutes und ab sofort eine hemmungslose Vermarktung der Sammlungen, die dem konservatorischen, pädagogischen und Ausstellungsauftrag aller Museen nicht mehr entsprechen kann. (ogw/ DER STANDARD, Printausgabe, 13./14.1.2007)