München - In der bayerischen CSU verbreiten sich Putschgerüchte gegen Ministerpräsident Edmund Stoiber wie ein Lauffeuer. Allen Appellen der Parteispitze zum Trotz wurden am Freitag in Landtagsfraktion und Partei Pläne mit unterschiedlichen personellen Konstellationen für eine Ablösung Stoibers diskutiert. Ein Zusammentreffen des CSU-Vorsitzenden mit seiner innerparteilichen Kontrahentin Gabriele Pauli brachte am Freitagabend keine Beruhigung in die Diskussion.

"Ich weiß, dass ich im Feuer stehe, sagte Stoiber beim Neujahrsempfang der Staatsregierung. "Wer in der Küche arbeitet, muss auch Hitze vertragen. Aber ich will schon etwas tun, dass es wieder abkühlt." Die Deutung dieser Äußerungen ließ Stoiber offen. Pauli, die mit Spitzel-Vorwürfen gegen Stoibers Staatskanzlei die jüngste Krise ins Rollen gebracht hatte, wünschte dem Regierungschef beim Empfang "alles Gute und viel Kraft für alles was kommt - egal wie es kommt". Nach dem kaum 15 Sekunden dauernden Treffen sagte sie, es werde bei dem für den 18. Jänner verabredeten weiteren Treffen viel Zeit für ein ausführlicheres Gespräch geben.

"Schwachsinn"

In der CSU-Landtagsfraktion mehren sich die Vermutungen, dass Stoiber nicht zu halten sein wird. Wie im Jahr 2005 - vor dem Berliner Rückzieher Stoibers - wird als ein Kandidat für die Stoiber-Nachfolge Wirtschaftsminister Erwin Huber genannt. Dies verlautete am Freitag übereinstimmend aus Abgeordneten-Kreisen. Zweiter Kandidat als Ministerpräsident ist Innenminister Günther Beckstein, wie auch die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Wieder ins Gespräch gekommen ist Parteivize Horst Seehofer als möglicher CSU-Chef.

Stoiber berief zwei Krisentreffen mit Landtagspräsident Alois Glück und CSU-Fraktionschef Joachim Herrmann ein. Die Gespräche sollten der Vorbereitung der Kreuther Winterklausur der Landtags-CSU dienen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei am Freitag. Glück sagte zu Berichten, er und Parteivize Barbara Stamm wollten Stoiber kippen: "Das ist Schwachsinn." Er fügte hinzu: "Es ist weder meine Absicht noch diejenige von Frau Stamm, Edmund Stoiber zu stürzen."

Mehrere Abgeordnete bezweifelten, ob ein Friedensschluss mit Stoiber bei der Klausur Anfang kommender Woche in Kreuth gelingt. "Das gibt vielleicht für 48 Stunden Frieden", sagte ein maßgeblicher Parlamentarier, "aber länger wird das wahrscheinlich nicht halten".

Die Führungskrise der CSU droht die Union insgesamt zu beschädigen. Im jüngsten ZDF-"Politbarometer" fielen CDU/CSU um einen Punkt auf 36 Prozent, die SPD stieg im selben Maß auf 32 Prozent. Parteiintern wurde erneut gefordert, der Ministerpräsident solle auf eine weitere Kandidatur bei der Landtagswahl 2008 verzichten. (APA/dpa)