Hamburg - Manager von der deutschen Handelsunternehmen Aldi (in Österreich als Hofer bekannt), Tengelmann (Plus, KiK, OBI, Kaiser's), und Metro stehen laut einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" unter Korruptionsverdacht. Die Staatsanwaltschaft Dresden habe vor wenigen Wochen Ermittlungen gegen vier langjährige Manager der Handelskonzerne aufgenommen, berichtete das Magazin aus seiner neuen Ausgabe. Die Manager stünden im Verdacht, einen sächsischen Minister für seinen Widerstand gegen die Einführung des Dosenpfands bezahlt zu haben.

Konkret stellt sich der Fall so dar, dass die betroffenen Unternehmen bis Jänner 2005 Gesellschafter des Müllkonzerns Duales System Deutschland (DSD) waren, bekannt als "Grüner Punkt". Das DSD sperrte sich jahrelang gegen das Dosenpfand. Den Beschuldigten wird nun zur Last gelegt, im November 2001 dem damaligen sächsischen Wirtschaftsminister Kajo Schommer (CDU), einem erklärten Gegner des Dosenpfands, einen DSD-Beratervertrag zugeschanzt zu haben.

600.000-Euro-Dankeschön

Wenige Wochen nach Schommers Ausscheiden aus dem sächsischen Kabinett im April 2002 sei der Politiker in DSD-Dienste getreten gegen ein Entgelt von 600.000 Euro. Kurz darauf wurde der Dreijahres-Vertrag demnach gekündigt, das Geld aber ausbezahlt. Die Dresdner Strafverfolger vermuten in der Honorierung ein Dankeschön für Schommers politischen Einsatz gegen die Einführung des Dosenpfands. Sie ermitteln dem Bericht zufolge seit längerem wegen des Verdachts der Vorteilsannahme.

Schommers Anwalt bezeichnete die Vorwürfe gegenüber dem "Spiegel" als "völlig aus der Luft gegriffen". Es sei ein "ganz normaler Beratervertrag" gewesen. Die Rechtsbeistände der beschuldigten Handelsketten-Vertreter wollen sich zu den Vorwürfen nicht äußern. (APA)