Caracas - Die erklärten US-Gegner Venezuela und Iran haben ihre so genannte "strategische Allianz" gestärkt. Beim zweiten Staatsbesuch des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad in Caracas innerhalb von vier Monaten wurden am Samstagabend elf neue bilaterale Abkommen und auch eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Venezuelas Präsident Hugo Chavez und Ahmadinejad sprachen sich zur Stützung der Erdölpreise für eine Senkung der Produktion der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) aus.

"Wir sind an diesem Nachmittag übereingekommen, unsere abgestimmten Bemühungen im Kreis der OPEC und darüber hinaus bei den großen Produzenten zu vervielfachen, um die Preise für unsere Rohstoffe zu sichern," sagte Chavez. Venezuela und der Iran würden wie bisher weiter mit einer Stimme sprechen. Gemeinsam würden sie Entscheidungen zur Kürzung der Förderung unterstützen. Seit Jahresbeginn ist der Ölpreis um 14 Prozent gesunken. Rohstoffhänder spekulieren deshalb bereits mit der Möglichkeit einer Stützung der Notierungen durch die OPEC.

Energie, Industrie, Handel und Wohnungsbau

Zu den neuen bilateralen Abkommen zählen nach Angaben aus Caracas Verträge zur Intensivierung der Zusammenarbeit in den Bereichen Energie, Industrie, Handel und Wohnungsbau. Beim ersten Besuch Ahmadinejads in Venezuela waren im September bereits 29 Kooperationsabkommen vor allem in den Sektoren Wirtschaft und Energie besiegelt worden. Geplant sind demnach die Gründung gemeinsamer Erdölgesellschaften, Zement-, Flugzeug-, Fahrrad-, Auto- und Schießpulver-Fabriken sowie die Gründung eines bilateralen Fonds in Höhe von zwei Milliarden US- Dollar (1,55 Mrd. Euro). Die Präsidenten beschlossen jetzt, die Schaffung des Fonds "zu beschleunigen". Mit diesen Geldern sollen nach den Worten Chavez auch Investitionen in jenen Ländern getätigt werden, die sich vom "Joch des Imperialismus" befreien wollten.

Chavez und Ahmadinejad sagten einander außerdem gegenseitige Unterstützung in der Außenpolitik zu. Bereits zuvor hatte der venezolanische Präsident seinen wegen dessen antisemitischer Äußerungen umstrittenen iranischen Amtskollegen demonstrativ als "Kämpfer für gerechte Sache", "Bruder" und "Revolutionär" bezeichnet. "Wir fördern die revolutionären Gedanken in der Welt", revanchierte sich Ahmadinejad. Am Sonntag fliegt er nach Nicaragua weiter, bevor er seine Südamerikareise in Ecuador beendet. (APA/dpa)