Budapest - Zwischen Partei- und Fraktionschef des ungarischen oppositionellen rechtskonservativen Fidesz-Ungarischen Bürgerverbandes gibt es Kontroversen hinsichtlich des Verhältnisses zur Regierung. Während Parteichef Viktor Orban eine Kooperation mit den Regierungsparteien ablehnt, verweist Tibor Navracsics auf seine Verhandlungspflicht als Fraktionschef mit den Sozialisten (MSZP) und Liberalen (SZDSZ). In einem Interview in der Tageszeitung "Magyar Hirlap" (Wochenendausgabe) erkennt Navracsics an, in dieser Hinsicht eine "andere Konzeption" als Orban zu vertreten.

Mit Premier Ferenc Gyurcsany gebe es aber auch weiterhin keinen Dialog. (Gyurcsany hatte in einer parteiinternen Rede vom Mai Lügen und Untätigkeit zugegeben, was im Herbst zu wochenlangen, teils gewalttätigen Protesten führte, Anm.) Navracsics gestand zugleich ein, die Partei müsse hinsichtlich ihrer Erneuerung eine "fachliche Alternative" aufzeigen. Damit könnten die Akademiker unter den Wählern gewonnen werden. Dazu beitragen solle die neue Fidesz-Dikussionsreihe "Unsere Zukunft".

Die Schaffung einer Schattenregierung stehe zurzeit jedoch nicht auf dem Programm, denn ein solcher Schritt könnte den Anschein erwecken, Fidesz wolle mittels eines "Putsches" an die Macht, meinte Navracsics. Das bedeute jedoch nicht, dass die Idee demnächst nicht erneut auf die Tagesordnung gesetzt werden könne, betonte der Fraktionschef. Navracsics hatte die Funktion des Leiters der Abgeordnetengruppe im Frühjahr 2006 für ein Jahr übernommen und weiß nun nicht, ob er auch weiterhin im Amt bleibt. (APA)