Düsseldorf - Die EU-Kommission hat einem Magazinbericht zufolge umfangreiche Beweise, wie Deutschlands Energieversorger den Wettbewerb zum Schaden der Kunden ausschalten. Unabhängig vom Streit um die Zerschlagung der Konzerne, bereiteten Beamte bereits eine hohe Geldbuße in einem besonders eklatanten Fall vor, berichtet die "Wirtschaftswoche" vorab aus ihrer neuen Ausgabe.

"Wir werden uns einen Präzedenzfall herausgreifen", zitiert das Magazin einen Beamten. Bei mehreren Razzien in deutschen Stromkonzernen hätten die Mitarbeiter von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes Beweise gefunden, dass die Unternehmen die Trennung in drei rechtliche Einheiten (Produktion, Transport und Vertrieb von Strom) nur auf dem Papier vollzogen haben.

Zu wenig Investitionen

So seien interne Dokumente gefunden worden, die bewiesen, dass Netzunternehmen kalkulierten, welche Auswirkungen ihre Investitionen auf die eigentlich getrennten Vertriebsunternehmen haben. Kroes sieht es als erwiesen an, dass deutsche Unternehmen wegen ihrer Integration zu wenig in die Netze investieren. Konkret listen ihre Mitarbeiter drei deutsche Netzbetreiber auf, die zwischen 2001 und 2005 an den Kuppelstellen Engpassgelder von fast 500 Mio. Euro kassiert haben, davon aber nur 20 bis 30 Mio. Euro in deren Erweiterung gesteckt haben.

Außerdem fanden die Brüsseler Ermittler Beweise, dass die Netzbetreiber ihren Schwesterbetrieben Sonderkonditionen einräumen. "Bei einer Zerschlagung würden wir den Discount für die Netzbenutzung wohl verlieren", heißt es in einem internen Papier eines Versorgers, das die Beamten bei einer Razzia fanden. Wettbewerbskommissarin Kroes plädiert für eine radikale Aufspaltung der Konzerne. Im Einzelfall, wenn sie nachweisen kann, dass Wettbewerb nicht durch andere Mittel zu erreichen ist, kann Kroes die Zerschlagung auch anordnen. (APA)