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Die Wiener Caritas wiederum finanziert sich zur Hälfte über Spenden, der Rest kommt von der öffentlichen Hand

AP/ Jens Kalaene
In der Winterzeit häufen sich die Spendenaufrufe, die durchaus befolgt werden. Mitunter kann die zeitliche Dichte beim Geldfluss aber auch Schwierigkeiten bringen.

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Wien - Die Österreicher sind, wenn es darauf ankommt, spendabel. Selbst wenn keine außergewöhnlichen Katastrophen passieren, liegt das Geld zu Weihnachten lockerer in der Spendierhose als zu manch anderer Zeit. Woran das liegt, ist wohl ein Henne-Ei-Problem: Einerseits stimmen die Feiertage besinnlicher, andererseits setzen die meisten Organisationen den Schwerpunkt ihrer Aktionen in der kalte Jahreszeit. In der Obdachlosenhilfe war das Spendenaufkommen in diesem Zeitraum auch unabhängig von der Witterung entsprechend höher als im Jahresschnitt - auch wenn der heurige Winter bisher bekanntlich nicht zu den kältesten zählt. Doch die Sensibilisierung ist in dieser Jahreszeit generell eine größere.

Vorfinanzierung-Problem

Obwohl Weihnachten längst vorbei ist, hat Markus Reiter vom Neuner-Haus, einer Anlaufstelle für Wohnungs- und obdachlose Menschen, einen Wunsch: Bessere Finanzierungsmöglichkeiten. Denn vor allem für kleine Organisationen sei es schwierig, in der Planungsphase von Projekten eine Vorfinanzierung zu erhalten. Genau dann, wenn das Geld am dringendsten gebraucht wird: "Wenn wir zur Bank gehen, haben wir immer die schlechtesten Karten". Auch die öffentliche Hand schieße erst dann Geld zu, wenn das Projekt schon steht und komme auch dann meistens nur für den laufenden Betrieb auf. Eine Lösung, für Firmen beispielsweise, wären Investitionsfonds für caritative Zwecke, schlägt Reiter vor.

Geldsammlungen

Dem Neuner-Haus geht es dabei vergleichsweise gut, mit durchschnittlich 250.000 Euro wird es im Jahr von Spendern unterstützt. Obwohl Pfarren und Firmen vor Weihnachten an das Neuner-Haus mit Geldsammlungen herantreten, "kommen Spenden nicht von selbst", stellt Geschäftsführer Markus Reiter klar. Dafür seien Spendenaufrufe, Briefe und Veranstaltungen notwendig, die wieder Ausgaben erfordern. Auch aus dem Verkauf von Kochbüchern - mittlerweile vier Titel des Namens "Haubenküche zum Beislpreis" - kommen zwei Euro pro Buch der Einrichtung zugute.

Selbstfinanzierung

Die Wiener Caritas wiederum finanziert sich zur Hälfte über Spenden, der Rest kommt von der öffentlichen Hand (etwa 480.000 Euro jährlich). Im August und November wird jährlich für In- und Ausland gesammelt, gerade in der Weihnachtszeit kommen Charity-Aktionen dazu. Für ihre Obdachloseneinrichtungen Gruft - eine niederschwellige Einrichtung in Wien-Mariahilf, in der obdachlose Menschen essen, schlafen und sich und ihre Wäsche waschen können - das Jugendhaus JUCA, das Haus Immanuel für Mütter und Kinder sowie für andere Einrichtungen wurden beispielsweise bei einer Spendenaktion 2005 mit Entertainer Adi Hirschal 100.000 Euro gesammelt. Die Zahlen von 2006 liegen noch nicht vor.

60 Euro pro Jahr

Laut dem Österreichischen Institut für Spendenwesen spenden rund 75 % der österreichischen Bevölkerung mindestens einmal im Jahr. Im Durchschnitt wird viermal jährlich gespendet. Über das gesamte Spendenvolumen kann keine exakte Angabe gemacht werden - laut einer ÖIS-Studie liegt der durchschnittliche Spendenbetrag bei rund 60 Euro. (Marijana Miljkoviæ , DER STANDARD Printausgabe 15.1.2007)